Bolton-Vorwürfe gegen Trump Wende oder Wunschdenken?

Bolton-Vorwürfe gegen Trump. Wende oder Wunschdenken?

MARC BEYER

Es gibt ein Ritual in europäischen Demokratien, begonnen hat es kurz nach der Wahl Donald Trumps. Wann immer eine Meldung darauf hindeutet, dass der US-Präsident Ärger kriegen könnte, macht sich auf der anderen Seite des Atlantiks wohlige Unruhe breit. Stets keimt die Hoffnung, dem Mann, den viele als Zumutung empfinden, möge es nun an den Kragen gehen.

Bislang ist das Wunschdenken geblieben, zuweilen gemischt mit Naivität. Und nahezu immer wurde die skrupellose Hartleibigkeit unterschätzt, mit der Trump das Weiße Haus geentert und sich die gesamte Republikanische Partei untertan gemacht hat. Diesmal könnte der Fall anders liegen. Die Vorwürfe seines früheren Sicherheitsberaters John Bolton haben Substanz. Und sie lassen sich nicht in bewährter Manier wegwischen als Erfindungen eines Mannes, der wahlweise ein Wichtigtuer ist, von Neid zerfressen, ein Komplott beabsichtigt oder den Trump kaum kennt. Bolton war einer aus dem allerengsten Machtzirkel.

Es wird im Lager der Republikaner schwer zu rechtfertigen sein, auf eine solche Zeugenaussage zu verzichten. Das Impeachment-Verfahren, bislang ein trauriges, parteipolitisches Schauspiel, könnte im besten Fall eine Dynamik erhalten, die so nicht mehr zu erwarten war. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass selbst das sich am Ende als reines Wunschdenken entpuppt.

Marc.Beyer@ovb.net

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