Bitte alle mitmachen – zur Not trotz Söder

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Kampf gegen Corona. GEORG ANASTASIADIS.

„Söders Knallhart-Lockdown“, der seit Sonntag in aller Munde ist, ist zum Glück nicht so drakonisch, wie es die Etiketten behaupten: Die Umstellung der höheren Schulklassen auf Fernunterricht war längst überfällig, weil sich so endlich die Kontakte in den Schulen und auf dem Weg dorthin, in vollen Bussen, U- und S-Bahnen, wirkungsvoll reduzieren lassen. Dasselbe gilt für den jetzt beschlossenen besseren Schutz der Heime. Man fragt sich, warum sich die Politik, auch die bayerische, mit beidem so lange Zeit gelassen hat. Und die nächtlichen Ausgangssperren in Hotspots? Symbolik. Wer treibt sich im Winter bei Eiseskälte schon freiwillig nachts draußen rum?

Dennoch ist es Zeit, nach fünf Wochen „Wellenbrecher-Lockdown“ kritisch Bilanz zu ziehen. Die Schließung der Gastronomie, der Hotels und vieler Sporteinrichtungen hat die Infektionsdynamik nicht nachhaltig brechen können. Die Zahlen steigen sogar wieder. Gleichzeitig weisen die Daten des RKI darauf hin, dass die nachvollziehbaren Ansteckungen sich meist im häuslichen Umfeld ereignet haben. Könnte das damit zu tun haben, dass geschützte Räume wie Hotels und Restaurants mit funktionierenden Hygienekonzepten schließen mussten und sich Menschen noch häufiger privat treffen? Beweisen lässt sich das nicht – aber der gesunde Menschenverstand lässt es befürchten.

Auffällig ist, dass das Infektionsgeschehen in Bayern, wo Söder sich von niemandem in Deutschland als härtester Corona-Hund übertreffen lässt, keineswegs besser ist als anderswo im Land. Auch gestern drohte er seinen Bürgern prompt wieder mit Ladenschließungen und Kontaktsperren, falls auch die soeben erst verkündeten Maßnahmen versagen. Mit seinem atemlosen Stakkato schafft es der CSU-Chef nicht, die Menschen zu seinen Verbündeten zu machen, sie zum freiwilligen Mitmachen zu animieren. Stattdessen macht er mit seiner Alarm- und Droh-Rhetorik leider zu viele Mitbürger, die beim ersten Lockdown noch brav mitzogen, zu Corona-Rebellen wider Willen, die es aus Protest gegen die Bevormundung mit den Regeln nicht mehr so genau nehmen – mit oft tödlichen Folgen. Wichtig aber ist, dass alle mitmachen. Zur Not auch trotz Söder.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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