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Der Nahe Osten nach dem Anschlag: Biden muss neue Wege gehen

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  • vonAlexander Weber
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Man sollte die Klagen Teherans über den „Staatsterrorismus“ Israels im Hinblick auf die Ermordung des Atomphysikers Fachrizadeh als das nehmen, was sie sind: scheinheilige Opferrituale jener, die normalerweise selbst als Täter Terror zum legitimen Mittel der Politik zählen.

Diese Erkenntnis entschuldigt den Mord nicht, hilft aber, die Lage realistisch einzuschätzen. Alle Augen sind nun auf den Mann gerichtet, der am 20. Januar ins Weiße Haus einzieht. Wie wird Joe Biden als Präsident die künftige Rolle der USA im Nahen Osten definieren?

Den Erzfeind Iran eindämmen

Donald Trumps Vorgehen war von einem „Persilschein“ für Israels Ministerpräsidenten Netanjahu geprägt. Von der Anerkennung Jerusalems, der Rückendeckung für die rechtswidrigen Siedlungen im Westjordanland bis hin zur Vertragsoffensive gegenüber arabischen Nachbarstaaten. Letztere dient dem einzigen Ziel, den Erzfeind Iran einzudämmen und eine Neuauflage des von Trump aufgekündigten Atomdeals zu verhindern.

Ob Biden gut beraten sein wird, diesen Deal einfach neu aufleben zu lassen, ist fraglich. Nüchtern betrachtet war er für beide Seiten enttäuschend: für die Reformer rund um Ruhani im Iran, weil der erhoffte wirtschaftliche Aufschwung ausblieb. Und für den Westen, weil Irans Hardliner nicht im Traum daran dachten, zu Friedenstauben zu mutieren. Der Nahe Osten braucht neue Wege.

Alexander.Weber@ovb.net

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