Biden geht auf Nummer sicher

Kamala Harris als Vize. FRIEDEMANN DIEDERICHS.

Länger als geplant hat Joe Biden, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, für seine Vize-Entscheidung gebraucht. Am Ende ging er, in den Umfragen führend, auf Nummer sicher und wählte mit der Senatorin Kamala Harris die erste Farbige aus, die in der US-Geschichte aussichtsreich für diesen Posten antritt. Die Nominierung ist der Versuch Bidens, sich angesichts des gesellschaftlichen Reizklimas und der Rassismus-Debatte die Sympathien der afro-amerikanischen Wähler zu sichern. Kürzlich hatte er noch mit mit der Aussage verstört: Wenn ihr mich nicht wählt, seid ihr nicht wirklich schwarz. Vertreter der Schwarzen drohten, er werde die Wahl nicht gewinnen, wenn er keine Farbige nominiere.

Wofür Harris wirklich steht, ist schwer festzustellen. Zu oft hat die frühere Justizministerin des Staates Kalifornien ihre Positionen gewechselt – wie bei Fragen der inneren Sicherheit. So setzte sie sich 2009 für mehr Polizei auf den Straßen ein, nur um heute – vom Zeitgeist der Anti-Polizei-Bewegung beeinflusst – festzustellen: Mehr Cops würden nicht mehr Sicherheit bringen. Doch solche Details dürften in der Hitze des Wahlgefechts untergehen. Was am Ende zählt, ist dieses: Biden hat jedes Risiko vermieden – aus historischer Erfahrung wohl wissend, dass sich Präsidentschafts-Bewerber durch die Auswahl des Vize mehr schaden als nutzen können.

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