Meinung

Die EU nach dem Brexit: Bewährungsprobe für Brüssel

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Jetzt sind sie weg: Mit dem endgültigen Abschied der Briten aus der EU beginnt auch für Brüssel und die verbliebenen Mitgliedsstaaten ein neuer Abschnitt. Denn bei aller Trauer über den Austritt: London war in den 48 Jahren seiner Mitgliedschaft auch immer einer der größten Bremser des gemeinsamen europäischen Projekts.

Auch wenn sich nun die Ungarn und Polen um die Nachfolge zu bewerben scheinen, könnte der britische Abschied dem Bündnis neue Optionen eröffnen. Zumal Corona gerade allen vor Augen führt, dass allzu nationales Denken in der globalisierten Welt selbst rasch an Grenzen stößt.

Dummerweise hat sich die EU nun ausgerechnet bei der Beschaffung des Corona-Impfstoffs mächtig blamiert. Prinzipiell war es richtig, bei der Bestellung gemeinsam vorzugehen. Größere Verhandlungsmacht ist einer der großen Vorteile des Bündnisses. Doch wenn der Impfstoff-Hersteller Biontech nun kritisiert, bei der EU sei man offenbar der Meinung gewesen, es werde „alles nicht so schlimm“, ist das ein peinliches Zeugnis für die Kommission und leider auch die deutsche Ratspräsidentschaft. Dass parallel noch die Zulassungsprozesse länger dauern als anderswo, trägt ebenfalls zum Unmut bei.

Brüssel sollte die Negativschlagzeilen nicht unterschätzen: Auch in anderen Ländern wird man den britischen Weg genau beobachten. Sollten die von Boris Johnson erträumten großartigen Zeiten Realität werden, könnte das auch andernorts die Austrittsfantasien beflügeln.

Mike.Schier@ovb.net

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