Meinung

Der erste Digital-Parteitag der CSU: Bestenfalls eine Notlösung

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Christian Deutschländer
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    vonChristian Deutschländer
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Der letzte CSU-Parteitag lief gar nicht gut. Die Antragsdebatte faserte aus, die Halle war kalt und verwinkelt, Delegierte standen lang für maues Essen an. Heute wird sich trotzdem die ganze Partei danach zurücksehnen.

Zum ersten Mal in Deutschland trifft sich am Samstagnachmittag ein großer Parteitag nur noch virtuell. 800 Delegierte mit krummem Rücken am Bildschirm – eine absolut richtige Entscheidung in Pandemie-Zeiten und intensiv vorbereitet, aber: welch Tristesse.

Die Faszination von Politik liegt nicht im siebten Spiegelstrich der Regierungserklärung, sondern im Treffen und Argumentieren von Menschen. Begeisterung und Gemeinschaftsgefühl erwachsen aus Begegnungen: große Debatten am Parteitag, noch größere beim Bier im Ortsverband. Das spüren die Parteien, weil vielerorts die Neueintritte einbrechen, obwohl die Menschen mehr über Politik nachdenken als früher. Es fehlen schlicht Präsenzveranstaltungen. Man stelle sich einen digitalen Passauer Aschermittwoch vor: Das Format wäre tot.

Das Problem reicht weit über die Parteien hinaus: Auch die Vereine, Feuerwehren, Kirchengruppen, Kulturträger merken diese Folge der weit überwiegend nötigen, aber bitteren Veranstaltungslimits. Auch das ist gefährlich für ein Land, das durch Engagement und Ehrenamt aufblüht.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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