Bericht des Wehrbeauftragten Ein Problem an drei Fronten

Bericht des Wehrbeauftragten. Ein Problem an drei Fronten .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Der oberste General der Bundeswehr gibt Entwarnung: Es gebe da nur ein paar „etwas größere Lücken“ bei IT, Ärzten, Logistik und Personalmanagement, „kein Anlass zur Panik“. Ja dann, prima – lassen wir unsere Armee halt weiter überaltern und ihr Material vergammeln.

Die Lage ist weit dramatischer, als die Generalität und die werte Frau Ministerin einräumen wollen. Das Drama spielt sich an drei Fronten ab. Beim Material versagt trotz Milliardeninvestitionen das Beschaffungswesen – von fehlenden Nachtsichtgeräten bis zu fluguntauglichen Hubschraubern. Hier hakt es überall: Fehler der Industrie, Überanforderungen und verspätetes Handeln der Politik, schlechte Kommunikation an der Schnittstelle. Zweites Problemfeld: Personal. Das Wehrpflicht-Aus rächt sich, die Bewerberlage für die Bundeswehr ist dünn, der Prozentsatz an Abbrechern bleibt sehr hoch.

Hinzu kommt: Bundeswehr und Gesellschaft entfremden sich schleichend. Viele Menschen lernen die Truppe in ihren eingeigelten Kasernen, in Kabul oder in Mali nie mehr von innen kennen. Auffallend viele Soldaten (Polizisten auch) fühlen sich von der Politik nicht mehr hinreichend vertreten, wenden sich zum Teil ab oder extrem nach rechts. Selbst die Union, einst Partei der Bundeswehr, findet derzeit Flugtaxis und Digitalisierung – zweifellos wichtig – hipper. Bei den Soldaten lässt sich kaum einer mehr blicken. Auch das ist ein Teil des Problems.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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