Meinung

Skandalurteil gegen Reporterinnen: Putins eiserne Faust in Belarus

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  • vonAlexander Weber
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Sie haben nur ihre Arbeit gemacht: Die 27-jährige Reporterin Katerina Bachwalowa und ihre 23-jährige Kollegin Daria Tschulzowa berichteten im November über eine Kundgebung zum Gedenken an einen getöteten Demonstranten. Das hat sie in den Augen des diktatorischen Regimes von Alexander Lukaschenko bereits zu Aufrührerinnen gemacht, die die öffentliche Ordnung untergraben.

Zwei Jahre sollen die jungen Frauen jetzt in einem Straflager büßen. Das Gerichtsurteil, das der Abschreckung jener Journalisten in Weißrussland dienen soll, die sich nicht der Lügenpropaganda des Regimes beugen, ist ein Skandal und hat völlig zu Recht internationale Empörung hervorgerufen. Das Problem ist nur: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dadurch in Belarus bald etwas zum Besseren wendet, ist gering.

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Denn so lange Kreml-Herrscher Wladimir Putin, der wahre Mächtige in Minsk, seine schützende Hand über Lukaschenko hält, hat die mit aller Art von Repressionen unterdrückte Opposition, die längst die Mehrheit der Menschen im Land repräsentiert, kaum Chancen, gegen die brutale staatliche Gewalt zu obsiegen. Putin ist aber fest entschlossen, den verhassten Lukaschenko an der Macht zu halten, weil er eins fürchtet: einen Dominoeffekt. Stürzt der Diktator von Minsk, könnte auch die Opposition in Russland trotz der Verurteilung des prominenten Kreml-Kritikers Nawalny Morgenluft wittern.

Alexander.Weber@ovb.net

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