Beginn der Sicherheitskonferenz ...und Merkel bleibt daheim

Beginn der Sicherheitskonferenz. ...und Merkel bleibt daheim .

MIKE SCHIER

Rechtzeitig zum Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz haben die Veranstalter einen sehr nachdenklichen Report veröffentlicht. „Westlessness“ ist er betitelt, was sich kaum übersetzen lässt (höchstens mit „Westlosigkeit“), aber das Gefühl beschreibt, dass der Westen in Zeiten von Trump und Brexit seine Identität und Führungskraft zu verlieren droht, während die Russen und Chinesen, Iraner und Saudis immer stärker werden. Alles keine Freunde von Demokratie und Menschenrechten.

Auf einer Konferenz, der so ein düsterer Befund zugrunde liegt, gäbe es für eine Bundeskanzlerin viel zu tun – inhaltliche Gespräche, aber auch symbolische Begegnungen mit Freunden und Feinden, die da in München zusammensitzen. Angela Merkel, die mit ihrer nüchternen Art bei Trumps Amtsantritt vielen im Westen als Hoffnungsträgerin diente, hat sich aber entschieden, nicht nach München zu kommen. Weil sie immer nur jedes zweite Jahr teilnimmt – als ob die Weltpolitik nur alle zwei Jahre Führung bräuchte. Westlos. Merkellos.

Ausgerechnet in einer Woche voller innenpolitischer Tumulte schwächelt die Kanzlerin nun auch noch in ihrer Paradedisziplin Weltpolitik. Dabei hatte Europa darauf gesetzt, dass Deutschland, wenn es im Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, Akzente setzt. Stattdessen wird die CDU zu diesem Zeitpunkt wohl entscheiden, ob Merkel überhaupt noch Kanzlerin ist. Dieser Terminplan ist schlecht für Deutschland, Europa und den Westen. Dessen Krise wird jemand anderes lösen müssen.

Mike.Schier@ovb.net

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