Bayerns grüne Volksbewegung Die CSU, die Bienen und ein Bauernopfer

Bayerns grüne Volksbewegung. Die CSU, die Bienen und ein Bauernopfer .

GEORG ANASTASIADIS

90 Prozent der Bundesbürger geben in Umfragen an, dass sie für Fleisch aus tiergerechter Haltung tiefer in die Tasche greifen würden – an der Ladentheke kauft dann einer neuen Untersuchung zufolge doch nur jeder Vierte Biofleisch oder Produkte mit Tierwohllabel. Ihr schlechtes Gewissen werden die Verbraucher auf preisbewusstere Weise los: indem sie ihr Wahlkreuz bei den Grünen machen. Oder sich in Unterschriftenlisten zur Rettung der Bienen eintragen. Sind ja schließlich auch Tiere.

Für eine bessere Umwelt einzutreten, ist chic und verspricht soziale Anerkennung. Die neue weiß-blaue Volksbewegung für eine grünere Welt krankt nur leider daran, dass die Verantwortung – und die Kosten – dafür gern großzügig delegiert werden: an den Staat. Oder die Landwirte. Ihnen verdankt Bayern eine kleinbäuerlich geprägte Kulturlandschaft, um deren Liebreiz uns die ganze Welt beneidet. Dennoch sehen sich die Landwirte plötzlich in die Rolle der Umwelt-Bösewichter gedrängt. Das haben die meisten von ihnen nicht verdient. So viel dürfte schon mal feststehen: Reiseweltmeister sind andere.

Besserer Tier- und Artenschutz ist ein Anliegen, das Unterstützung verdient. Aber bitte mit weniger Doppelmoral. Zur Wahrheit gehört halt auch, dass Deutschlands Agrarfabriken nicht in Bayern stehen. Sondern, zum Beispiel, in Niedersachsen und den neuen Ländern. Dass dort von Bienen-Volksbegehren nichts zu hören ist, könnte auch daran liegen, dass dort nicht die CSU regiert. Denn sie ist es, der, so wie im vergangenen Jahr, der politische Prozess gemacht werden soll. So grün kann das Mäntelchen gar nicht sein, das sich Markus Söder umhängt. Bayerns Landwirte sind nur das Bauernopfer.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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