Bayern schränkt Ausgang ein Der große Charaktertest

Bayern schränkt Ausgang ein. Der große Charaktertest .

MIKE SCHIER

Inzwischen hat Markus Söder, der mit dem Thema Corona ganz zu Beginn durchaus fremdelte, Gefallen an seiner Rolle des Krisenmanagers gefunden. Trotzdem sah man ihm am Freitag an, wie schwer ihm die Entscheidung für Ausgangsbeschränkungen fiel. Er rechtfertigte seinen Entschluss damit, dass sich für jene, die sich schon während der letzten Tage vernünftig verhalten hätten, nur wenig ändere. „Und denjenigen, die sich schwertun mit dem Charaktertest, denen geben wir Regeln.“

Ja, man darf sich schon ärgern über all die Ignoranten, die sich über die dringenden Appelle, verantwortlich und rücksichtsvoll zu handeln, einfach hinwegsetzten. Jetzt muss sich jeder, der auch nur zur Arbeit fährt oder den Hund Gassi führt, rechtfertigen. Herzlichen Dank!

Noch vor einem Monat hätten es die allermeisten der freiheitsliebenden Bayern wohl für völlig ausgeschlossen gehalten, dass der Staat so weitreichend ins Leben seiner Bürger eingreift. Doch nach der Entwicklung der Virusinfektionen in den vergangenen Tagen war der Schritt wohl unausweichlich. Trotzdem sollten die Ausgangsregeln in zwei Wochen nicht allzu leichtfertig verlängert werden. Die Virologen mögen zwar auch dann eine klare Meinung haben, aber Politiker müssen stets auch das Gesamtwohl der Gesellschaft im Auge haben. Schon jetzt ist der wirtschaftliche Schaden horrend, die emotionalen Belastungen für Familien oder allein lebende Alte werden in den nächsten beiden Wochen wachsen. Der große Charaktertest hat gerade erst begonnen.

Mike.Schier@ovb.net

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