Ausgangssperren – und ihr Ende Wir müssen mit dem Virus leben lernen

Ausgangssperren – und ihr Ende. Wir müssen mit dem Virus leben lernen .

GEORG ANASTASIADIS

Auf seinem verheerenden Siegeszug hat das Coronavirus in kurzer Zeit tausende Leben ausgelöscht, es hat Leid über ganze Völker gebracht und Millionen Existenzen vernichtet. Leider ist der unsichtbare Feind noch nicht fertig mit uns. Eine Prüfung steht noch aus: Wie reagieren wir, wenn sich Bürger in einigen Wochen gegen die staatlich angeordnete Einschränkung ihrer Freiheit und die erzwungene Arbeitslosigkeit zur Wehr setzen? Und wie wägt die Politik ab zwischen dem Schutz der Gesundheit und der Wahrung unserer materiellen Existenz? Immer verzweifelter werden die Hilfeschreie der Betriebe.

Es ist toll zu sehen, wie die riesige Mehrheit der Bürger die Ausgangssperren befolgt, die Politiker zu unserer aller Schutz verhängen mussten. Doch wird die Akzeptanz sinken, je mehr sich Spannungen in häuslicher Gewalt entladen, die Zahl der Neuinfizierten zurückgeht und die Wirtschaft kollabiert. Die Frage nach der Exit-Strategie aus dem Shutdown steht wie ein Elefant im Raum – und sie wird nicht nur von Zynikern gestellt, die die Gefährlichkeit des Coronavirus rundheraus leugnen oder es kaltschnäuzig als Problem der Älteren abtun. Richtig ist: Demokratien lassen sich nicht dauerhaft „herunterfahren“, Freiheit lässt sich nicht monatelang suspendieren. Die Schäden für die Volkswirtschaft sind schon jetzt gewaltig; in drei Monaten wäre das Millionenheer der Arbeitslosen unüberschaubar. Kein Schutzschirm des Staates kann das verhindern.

Mit etwas Glück werden wir das Virus in einigen Wochen zwar nicht ausgerottet, aber doch stark zurückgedrängt haben. Bis dahin müssen nicht nur die Schüler daheim ihre Hausaufgaben gemacht haben, sondern auch der Staat: Zentral ist der Zubau von Intensivbetten, aber auch die Schaffung von Kapazitäten für flächendeckende Coronatests, damit die Menschen dann wieder in die Arbeit können. Und es müssen alle Anstrengungen für den Schutz der Verletzlichsten unternommen werden, wie etwa reservierte Einkaufszeiten im Supermarkt für ältere und vorerkrankte Mitbürger. Wir werden mit dem Virus leben lernen müssen – bis ein Medikament oder ein Impfstoff gefunden ist.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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