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Nach dem Sturm aufs Kapitol in den USA: Aus Echokammern in die echte Welt

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Der 6. Januar 2021 wird in die amerikanischen Geschichtsbücher eingehen – als schwarzer Tag für eine der ältesten Demokratien der Welt. Ganz zum Schluss der an Tiefpunkten reichen Amtszeit von Donald Trump erfüllen sich doch noch die schlimmen Erwartungen, die Beobachter vor der Wahl umtrieben.

Von einigen in Europa wurden solche Warnungen als Antiamerikanismus ausgelegt. Doch gerade wer von der Schönheit, der Fortschrittlichkeit, aber auch der Widersprüchlichkeit der USA fasziniert ist, muss sich ernsthaft sorgen.

Da wäre zunächst ein Präsident, der den Mob bewusst anstachelte und dann nur halbherzig zurückrief. Donald Trump wird noch zwei sehr lange Wochen im Amt bleiben und danach hoffentlich auch von den meisten Amerikanern als das wahrgenommen werden, was er seit Jahren ist: seine eigene Karikatur.

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Ob die Republikaner ihm tatsächlich 2024 einen weiteren Anlauf aufs Amt gewähren? Eine Antwort kann es erst geben, wenn die „Grand Old Party“ für sich selbst geklärt hat, wofür sie eigentlich noch steht. In einer ersten Umfrage sagten 68 Prozent ihrer Anhänger, die Erstürmung des Parlaments mit mehreren Toten stelle keine Gefahr für die Demokratie dar. Nur ein Viertel akzeptiert das Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Man kann nur hoffen, dass die Partei in der Opposition wieder zu sich selbst findet.

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Die Bilder vom Kapitol sind eine Warnung an die Welt. Sie zeigen, was passiert, wenn Echokammern des Internets in der wirklichen Welt aufschlagen. Menschen, die sich auf Meinungsfreiheit berufen, attackieren Parlament und Presse. Hierzulande hat man bei mancher Querdenkerdemo einen Vorgeschmack bekommen. Die Demokratie gilt es überall zu verteidigen. Jeden Tag.

Mike.Schier@ovb.net

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