Die Augen fest verschlossen

Populisten und Corona. MARC BEYER.

Abstand zu halten, war Jair Bolsonaro nie wichtig. Gestern aber warnte Brasiliens Präsident ausdrücklich davor, sich ihm zu nähern. Sein positiver Corona-Test war da noch nicht publik, doch von dem üblichen Spott, mit dem er über das Virus sprach, war nichts mehr übrig.

Bolsonaros Verhalten der vergangenen Monate ist eine einzige Provokation gewesen, eine Verhöhnung der Opfer. Es war noch schwerer zu ertragen als die Ignoranz, mit der sich Boris Johnson quälend lange den Experten entgegenstellte. Bis er selber schwer erkrankte.

Es ist eine makabre, aber schlüssige Pointe, wenn Lügner und Verharmloser der Corona-Gefahr sich infizieren. Wer die Bedrohung ignoriert, ist zwangsläufig besonders bedroht. Auch diesen Menschen möchte man die Krankheit nicht wünschen. Doch die Frage stellt sich, wie nah die Einschläge eigentlich kommen müssen, bis sie den Ernst der Lage begreifen.

Angesichts von hunderttausenden Toten ist die Infektion prominenter Skeptiker vor allem eines: der schlagende Beweis, wie untauglich Verdrängung und Verleugnung sind. Drei der Länder mit der verheerendsten Corona-Bilanz werden von Männern regiert, die die Augen fest vor der Realität verschlossen haben. All die fatalen Entscheidungen, die Bolsonaro, Trump und Johnson getroffen haben, fallen inzwischen auf sie zurück. Politisch, gesundheitlich, im schlimmsten Fall beides.

Marc.Beyer@ovb.net

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