Auch hierzulande wächst der Frust

Pflegestreik in Israel. SEBASTIAN HORSCH.

Israels Krankenschwestern und Pflegern reicht es. Mitten in der dort tobenden Corona-Krise treten sie in den Streik. Eine Eskalation, die in Deutschland noch nicht droht. Doch auch hierzulande wächst der Frust.

Es ist erst ein paar Monate her, da wurden Pflegekräfte in den Parlamenten Helden genannt, und Politiker machten ihnen Versprechen. Hätte das Virus Deutschland getroffen wie Italien, wären sie es gewesen, die in überlasteten Krankenhäusern die Stellung gehalten hätten. Es kam nicht so schlimm. Und obwohl die Corona-Krise längst nicht durchgestanden ist, sank mit den Fallzahlen auch das Interesse an ihren Nöten. Dass viele nicht mal den versprochenen Bonus von bis zu 1500 Euro erhalten, während Milliarden in sämtliche Wirtschaftszweige fließen, ist ein fatales Signal. Wie groß der Unmut ist, lässt sich in den sozialen Medien nachlesen, wo Pflegekräfte ihrer Wut immer lauter freien Lauf lassen.

Die Probleme in der Pflege bestehen nicht erst seit dem Coronavirus und treffen eine Berufsgruppe, auf die unsere alternde Gesellschaft zunehmend angewiesen ist. Trotzdem fehlt es massiv an Personal und Nachwuchs. Um das zu ändern, muss der Beruf endlich attraktiver werden. Es braucht schnell konkrete Reformen für bessere Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie, bessere Perspektiven und höhere Gehälter. Mit Applaus alleine lässt sich nichts davon erreichen.

Sebastian Horsch@ovb.net

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