Attacken auf Schiedsrichter Jähzorn, der neue Volkssport

Attacken auf Schiedsrichter. Jähzorn, der neue Volkssport .

STEFAN SESSLER

Es ist rasend absurd. Jeder, der jemals unterklassig Fußball gespielt hat, weiß: Missglückte Abseitsfallen, Fehlpässe in Dauerschleife und daheim vergessene Schienbeinschoner sind eher die Regel als die Ausnahme. Keiner ist perfekt, schon gar nicht der Linksverteidiger in der C-Klasse. Trotzdem gibt es Spieltag für Spieltag Menschen, von denen Adleraugen und biblische Gerechtigkeit erwartet werden: Sie heißen Schiedsrichter und sind doch die ärmsten Teufel – für 30 Cent Spritgeld pro Kilometer und ein paar Euro Aufwandsentschädigung müssen sie sich mancherorts jetzt schon um Leib und Leben sorgen.

Seit der Prügelattacke in Hessen, die einem Schiri einen Klinikbesuch einbrachte, ist das Thema allgegenwärtig. Und irgendwie passt es fast schon zu gut in die Zeit. Im Internet entgleisen die Menschen und schreiben ihren Hass an virtuelle Pinnwände. Politiker werden beschimpft und verachtet. Jähzorn ist in manchen Kreisen der neue Volkssport. Der Mechanismus ist immer der gleiche: Die eigene Leistung wird völlig überhöht, auf dem Sportplatz manchmal genauso wie im echten Leben. Es fehlt an Maß, Mitte, Realitätssinn. Dabei geht es auch anders. Der österreichische Stürmer Toni Polster flog einmal mit Rot vom Platz. Vom Schiri verabschiedete er sich mit den Worten: „Handkuss an die Frau Gemahlin!“ Das war bestimmt nicht höflich gemeint. Hörte sich aber immerhin so an.

Stefan.Sessler@ovb.net

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