Asyl und Arbeitsmarkt Migrationsdruck bleibt hoch GEORG ANASTASIADIS

Asyl und Arbeitsmarkt. Migrationsdruck bleibt hoch .

GEORG ANASTASIADIS

Groß ist die Erleichterung in Berlin über die allmähliche Beruhigung des Flüchtlingsgeschehens. Stellten im Ansturm-Jahr 2016 noch 722 000 Menschen erstmals einen Asylantrag in Deutschland, so waren es im Jahr 2017 „nur“ noch 198 000 und ein Jahr darauf abermals weniger, nämlich 162 000. 2019 dürfte sich der Trend fortgesetzt haben.

Das darf freilich nicht den Blick darauf verstellen, dass der Migrationsdruck hoch bleibt. Allein 2018 wanderten 1,6 Millionen Menschen nach Deutschland ein, 1,2 Millionen verließen das Land – per Saldo kamen also 400 000 neu hinzu. Seit 2010 addiert sich die Netto-Zuwanderung laut dem gerade vorgelegten Migrationsbericht sogar auf fast fünf Millionen Menschen. Auch wenn die meisten davon nicht Schutz suchten, sondern einen Arbeitsplatz, und den um Fachkräfte buhlenden Betrieben hochwillkommen waren: Eine so hohe Zahl an neu hinzukommenden Menschen muss erst mal bewältigt werden – etwa am Wohnungsmarkt und im öffentlichen Nahverkehr.

Auf den durch die wachsende Attraktivität des Wirtschaftsstandorts ausgelösten Zuwanderungsboom haben Bund, Länder und Kommunen viel zu spät reagiert. Auch deshalb platzt der Mietwohnungsmarkt in den Ballungszentren aus allen Nähten. Der enteignungsfreudige Berliner Senat etwa verfehlt reihenweise seine selbst gesteckten Ziele für den sozialen Wohnungsbau. Die Politik muss besser werden, wenn sie nicht riskieren will, dass Zuwanderung zu Frust und Verdrängungswettbewerb führt. Nur die Grenzen öffnen reicht nicht.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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