Corona und Donald Trump: Arroganz der Elite

MIKE SCHIER
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Die Nachricht von Donald Trumps Covid-19-Erkrankung zeitigte erstaunliche Reaktionen – vor allem, aber keineswegs nur in den sozialen Netzwerken.

Während die einen Gesundheitswünsche schickten (oder vorheuchelten), ließen andere ihren unchristlichen Gedanken ungehemmt freien Lauf. Einige, die sich sonst über rechte Verschwörungstheorien echauffieren, unterstellten dem in Umfragen schwächelnden US-Präsidenten gar ein taktisches Manöver, mit dem er als vermeintlich Genesener beim Wähler später punkten wolle. Offensichtlich werden nicht alle jenen moralischen Standards gerecht, die sie sonst bei anderen – nicht zuletzt Trump – einfordern.

Inzwischen zeigt sich eher, dass die Erkrankung des Präsidenten und das Superspreader-Event im Weißen Haus die Ignoranz der konservativen Elite der USA offenlegt. Küsschen hier, Küsschen da, Umarmungen, Masken nur für Bedienstete – offensichtlich glaubten diese Menschen über den Gefahren zu stehen, die von so einem ordinären Virus ausgehen. Genau so regierten sie in den vergangenen Monaten auch, was in einem Land, in dem sich viele keine Krankenversicherung leisten können, mit 210 000 Toten verheerende Auswirkungen hatte.

Muss man mit dem bestens umsorgten Trump Mitleid haben? Er selbst will jedenfalls keines. In seinem (bearbeiteten) Video versucht sich der angeschlagen wirkende 74-Jährige, weiter als starker Mann zu präsentieren. Ihm bleibt deshalb vor allem zu wünschen, dass er ähnlich wie zuvor Boris Johnson einen Erkenntnisgewinn aus seiner Erkrankung mitnimmt. Die Sätze der TV-Debatte, in denen er sich über Joe Bidens Masken lustig machte, wirken heute nur peinlich.

Mike.Schier@ovb.net

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