Apps vom Arzt Keine Pannen erlaubt SEBASTIAN HORSCH

Apps vom Arzt. Keine Pannen erlaubt .

SEBASTIAN HORSCH

Jens Spahn gibt Gas. Der Bundesgesundheitsminister von der CDU schießt Deutschland bei der Digitalisierung seines Gesundheitswesens aus dem europäischen Tabellenkeller auf einen Schlag an die Spitze – zumindest in einem Teilbereich. Als erstes Land der Welt lässt Deutschland Ärzte Gesundheits-Apps wie Medizin verschreiben, die dann von Krankenkassen bezahlt werden sollen. Das ist ohne Frage ein Meilenstein.

Doch mit mehr als 200 Sachen auf der Überholspur können Meilensteine auch gefährlich werden. Neue Märkte locken oft auch schräge Vögel an, die nicht nur Gutes im Sinn haben. Manche Anbieter könnten versuchen, mit Daten Geld zu verdienen, oder aus anderen Gründen einfach nachlässig mit den sensiblen Angaben umgehen. Für Patienten ist es schwer zu erkennen, welche Informationen wo landen, wenn man sie einer App preisgibt – besonders wenn sie mit digitalen Anwendungen nicht so vertraut sind. Wer nicht gesund ist und sich Hilfe erhofft, denkt nicht immer gleich an Datensicherheit. Diese Menschen haben ein Recht auf Schutz.

Deutschland muss mit der Zeit gehen. Es ist ein offenes Geheimnis dass gerade im Gesundheitswesen oft Datenschutzbedenken vorgeschoben wurden, um Veränderung zu verhindern. Dass Spahn das nicht mehr durchgehen lässt, ist richtig. Gleichzeitig gilt: Wer die Regeln bestimmt, muss auch dafür sorgen, dass sie funktionieren. Der Erfolg von Spahns „Weltneuheit“ wird sich deshalb vor allem daran bemessen, ob es ihm gelingt, Datenschutz zu garantieren. Unsichere Apps dürfen nicht durch die Prüfung rutschen. Keine Pannen erlaubt.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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