Der Antreiber in der Coronakrise Söders Draghi-Moment

Der Antreiber in der Coronakrise. Söders Draghi-Moment .

GEORG ANASTASIADIS

In Krisenzeiten schlägt die Stunde der Exekutive. Dann zeigt sich, wer  bereit und in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen und der verunsicherten Bevölkerung das Vertrauen in die Tatkraft des Staates zurückzugeben – so wie Helmut Schmidt bei der legendären Hamburger Sturmflut oder Gerhard Schröder während des großen Elbhochwassers. Verglichen mit diesen regional begrenzten Naturkatastrophen ist die Coronakrise eine Jahrhundert-Herausforderung. Das ist sie für uns alle: Wir müssen uns so verhalten, dass wir die Älteren und Schwächeren unter uns schützen. Auffällig ist, dass die eigentlich dafür vorgesehenen Regierungsspitzen das Krisenmanagement wochenlang verweigerten: Die Kanzlerin schwieg, Gesundheitsminister Jens Spahn zauderte, Wirtschaftsminister Altmaier laberte. Es war stattdessen der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, der – nach anfänglichem Zögern – als Erster alle Großveranstaltungen absagte, die Schulen schloss. Und er war es auch, der am „schwarzen Donnerstag“, als die Finanzmärkte in die Knie gingen wie nie zuvor, jenes Versprechen abgab, zu dem sich die – neben ihm sitzende – müde Kanzlerin nicht aufraffen konnte: dass Deutschland alles Notwendige tun werde, um den Corona-Infarkt zu verhindern.

Es war Söders Draghi-Moment. Alles, was am Tag darauf passierte – die wie fallende Dominosteine verkündeten Schulschließungen anderer Bundesländer, die Zusage der Regierung, die Wirtschaft mit notfalls unbegrenzten Krediten vor dem Systemkollaps zu bewahren –, folgte Söders „Whatever it takes“-Aufruf. Es war der Satz, der Kanzler machen könnte.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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