Anti-Missbrauchsgipfel Keine echte Umkehr CLAUDIA MÖLLERS

Anti-Missbrauchsgipfel. Keine echte Umkehr .

CLAUDIA MÖLLERS

Ja, es stimmt: Kirchenvertreter hatten vor dem Krisengipfel im Vatikan vorsorglich vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Und trotzdem ist die Enttäuschung nach vier Tagen Krisentreffen auf höchster katholischer Ebene groß. Nicht nur Opfervertreter, sondern auch die vielen Katholiken, die unter dem Glaubwürdigkeitsverlust ihrer Kirche leiden, hatten gehofft, dass Papst Franziskus und die Chefs der nationalen Bischofskonferenzen die Zeichen der Zeit erkannt haben und konkrete Maßnahmen verkünden.

Betroffenheit haben sowohl der Papst als auch zahlreiche Bischöfe eindrucksvoll gezeigt. Das Schuldbekenntnis im Gottesdienst war sicher ernst gemeint. Doch dann am Schluss nur auf die Planung konkreter Maßnahmen und weitere Beratungen zu vertrösten, das lässt nicht nur die betroffenen Opfer wütend zurück.

Die vier Tage im Vatikan waren offenbar mehr als interner Nachhilfeunterricht für Bischöfe aus aller Welt gedacht, die Missbrauch nicht als Problem sehen wollen. Eine echte Umkehr wurde nicht sichtbar. Die obersten Kirchenvertreter unterliegen einem folgenschweren Irrtum, wenn sie glauben, dass sie noch viel Zeit für Beratungen hätten und zunächst untereinander die Befindlichkeiten klären müssten. Es wäre jetzt Gelegenheit gewesen, eine Wende einzuleiten. Franziskus hätte ein echtes Zeichen setzen können. Doch offenbar ist die Angst vor der innerkirchlichen Zerreißprobe und seinen eigenen Fehlern in der Vergangenheit größer als die Sorge vor der wachsenden Erosion der Glaubwürdigkeit.

Claudia.Moellers@ovb.net

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