Anti-Missbrauchsgipfel Höchste Zeit für einen Wandel

Anti-Missbrauchsgipfel . Höchste Zeit für einen Wandel .

CLAUDIA MÖLLERS

Wenn die katholische Kirche auch in Zukunft eine wichtige Stimme im Leben der Menschen sein will, dann wird sich die 2000 Jahre alte Institution verändern müssen. Weg vom männerdominierten Klerikalismus und hierarchischen Korpsgeist – hin zu einer Gemeinschaft, die die Menschen zu einem alternativen, einem christlichen Leben begeistert. Kein billiges Anpassen an den Zeitgeist, sondern eine zeitgemäße Auslegung der Glaubensbotschaft.

Es ist fatalerweise die Missbrauchskrise, die die Kirche zu diesem Wandel zwingt. Denn die Art und Weise, wie die Verbrechen an unschuldigen und wehrlosen Kindern unter der Decke gehalten wurden, hat das bisherige System Kirche komplett infrage gestellt.

Man kann nicht erwarten, dass diese dreieinhalb Tage im Vatikan, in denen die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und die Ordensoberen mit Franziskus über Missbrauch und Kinderschutz diskutieren, alles ändern. Wahrscheinlich wird am Sonntag die Enttäuschung überwiegen, weil der Papst keine öffentlichkeitswirksamen Entscheidungen verkünden wird. Trotzdem kann das Treffen den Beginn eines Kulturwandels markieren, wenn den Bischöfen die Zukunft der Kirche wichtiger ist als kleingläubiger, klerikaler Machterhalt.

Demut ist ein altmodischer Begriff. Aber nur mit dieser Haltung kann die katholische Kirche eine ernsthafte Veränderung angehen. Der Klerus muss bereit sein, seine Macht zu teilen – mit den Laien, insbesondere den Frauen. Der Missbrauchsskandal schreit nach einer Veränderung. Es wird höchste Zeit.

Claudia.Moellers@ovb.net

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