Anklage gegen VW-Chefs Zerbrechliche Indizienkette MARTIN PREM

Anklage gegen VW-Chefs. Zerbrechliche.

Indizienkette

MARTIN PREM

Es ist ein Paukenschlag: Mit Herbert Diess und Martin Winterkorn werden ein ehemaliger und der jetzige VW-Chef angeklagt. Und mit Hans Dieter Pötsch überdies der ehemalige Finanzvorstand, der heute dem Aufsichtsrat vorsteht. Für Millionen betrogener Kunden wenig tröstlich: Nicht was ihnen angetan wurde, ist strafwürdig. Es geht auch nicht um Umweltschäden. Belangt werden die Manager, weil sie Aktionäre um die Gelegenheit gebracht haben sollen, ihr Vermögen in einen sicheren Hafen zu bringen. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig sind die Prioritäten im Strafrecht manchmal schon.

Die Ermittler haben zu Recht auf die Unschuldsvermutung hingewiesen. Denn es ist nicht sicher, dass die Anklage zugelassen wird. Und noch weniger, dass es am Ende zu einer Verurteilung kommt. Man muss dazu Winterkorn, Pötsch und Diess nicht nur nachweisen, dass sie früher als eingeräumt von den Manipulationen wussten. Auch die Milliardenzahlungen in den USA mussten absehbar gewesen sein – und damit die Folgen für die Aktie.

Die Indizienkette ist in solchen Fällen meist zerbrechlich. Das war auch im Prozess gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzchef Holger Härter wegen der gescheiterten VW-Übernahme 2005 bis 2009 so. Jedem Beobachter war klar, was beide im Schilde führten. Nur die beiden Hauptakteure schienen in der abschließenden strafrechtlichen Würdigung komplett ahnungslos – weil ihnen nichts nachzuweisen war.

Martin.Prem@ovb.net

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