Angst vor neuen Schulschließungen

Regelbetrieb ab Herbst? DIRK WALTER.

Die Angst geht um, die Angst vor einer zweiten Corona-welle. Und es stimmt ja auch: Die Ferienzeit und die Rückkehrerwelle aus dem Ausland birgt Risiken. Das könnte auch für Bayerns Schulen dramatische Folgen haben. Denn jeder weiß: Einen nochmaligen Lockdown der kompletten Schulwelt wie im März darf es einfach nicht geben. Selbst wenn die Infektionszahlen wieder hochschnellen, muss es jetzt anders laufen als beim ersten Aufschlag der Pandemie. Schüler monatelang gar nicht und dann nur wochenweise in die Schule zu geben, ist einmal hinnehmbar. Ein zweites Mal nicht mehr. Die Lernrückstände würden zu groß, die Betreuungssituation für die Eltern nicht mehr kalkulierbar. Bayerns Schulen müssen sich auf einen (hoffentlich nicht eintretenden) Ernstfall vorbereiten. Zeit ist jetzt da, Ausreden werden im Herbst nicht gelten.

Blicken wir zurück: Zugegeben, die Schulen mussten im März improvisieren, die Schüler trotz abrupter Schließungen weiter unterrichten. Dass da nicht alles optimal läuft, ist logisch. Der Feststellung des Kultusministers, es sei zwar kein normales, aber kein verlorenes Schuljahr gewesen, ist aber nur teilweise zuzustimmen. Rund die Hälfte der Schüler war drei Monate nicht in der Schule, wurde mit holprigen Lernvideos und Lernplattformen bei Laune gehalten. Mancher Schüler, auch das gehört zur Wahrheit, tauchte gleich ganz ab – im Zweifelsfall hat „halt das Internet nicht funktioniert“. Lernmotivation kann ein Ministerium nicht verordnen, die digitale Infrastruktur (Computer, Wlan) hingegen schon. Da muss der heutige Schul-Digitalgipfel der Regierung schon einen wuchtigen Aufschlag bringen, um wenigstens an dieser Stelle für die Pandemie gewappnet zu sein.

Dirk.Walter@ovb.net

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