Angriff auf US-Botschaft In der Sackgasse von Bagdad

Angriff auf US-Botschaft. In der Sackgasse von Bagdad .

FRIEDEMANN DIEDERICHS

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Iran testen würde, wie der anti-militaristisch eingestellte US-Präsident auf eine massive Herausforderung reagieren würde. Die von Teheran inszenierte Belagerung der US-Botschaft in Bagdad ist ein solcher Prüfstein, der auch eine historische Komponente hat. Denn 444 Tage lang hielten als „Studenten“ getarnte iranische Terroristen 1979 die US-Botschaft in Teheran und 52 Mitarbeiter im Würgegriff, während Präsident Jimmy Carter hilflos zusah. Und nun Bagdad. Wird Trump diese Krise aussitzen, so wie er auch auf das aggressive Verhalten Teherans im Persischen Golf gegenüber Öltankern eher achselzuckend reagiert hat? Der Zeitpunkt des neuen Dramas ist von den Mullahs klug gewählt. Denn die Trump-Anhänger wollen keine neuen Brandherde – und 2020 ist Wahljahr in den USA.

Die Frage stellt sich deshalb, ob die Entsendung von 750 zusätzlichen Soldaten in die Region mehr als nur ein Muskelspielchen verkörpert. Wie es aussieht, kann Trump bei dieser Krise nur verlieren. Lässt er sich von den Belagerern auf der Nase herumtanzen, wirkt er schwach. Reagiert er mit Härte – beispielsweise durch einen Schießbefehl für die US-Marines – würde dies weitere Reaktionen der von Teheran gesteuerten Milizen nach sich ziehen. Der einzige Trost: Für ein größeres kriegerisches Abenteuer gibt es noch keine Indizien.

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