Ein Angriff auf uns alle

Frankfurter Krawallnacht. GEORG ANASTASIADIS.

Wer Polizisten mit Flaschen und Steinen bewirft, attackiert den Staat, aber er trifft Menschen. Hinter jeder Uniform steckt ein verletzlicher Mensch und auch eine Seele, hat der baden-württembergische Innenminister nach den Krawallnächten von Stuttgart und Frankfurt gesagt. Auch das verdient ausgesprochen zu werden in einer Zeit, in der ein marodierender Spaß-Mob gerade so tut, als nehme er ein bizarres „Notwehrrecht“ gegen einen ausländerfeindlichen Staat und seine rassistische Polizei in Anspruch.

Was in Frankfurt passiert ist, ist eine Schande. Es ist aber auch eine direkte Folge des dummen Geredes mancher Politiker, die unserem Staat und seinen Ordnungskräften pauschal ein Haltungsproblem unterstellen. Nicht alle machen das so primitiv wie die SPD-Chefin Esken. Auch hinter der maßlosen Empörung über das Bemühen der Polizei, den familiären Hintergrund der immer aggressiveren Jugendlichen auszuleuchten, um Antworten auf die Gewalt zu entwickeln, steckt in Wahrheit der Vorwurf, die Polizei sei eben doch rassistisch und voller Vorurteile gegen Migranten. Wer so spricht, macht sich zum Stichwortgeber für die, die nun auch in Frankfurt, angefeuert vom Gejohle der Umstehenden, Jagd auf Polizisten machten.

Deutschland hat tatsächlich ein Haltungsproblem. Doch es betrifft weniger die Sicherheitskräfte. Sondern die Gewalttäter, die Verständnisvollen und die Teilnahmslosen. Gewalt gegen Schwarze in den USA bringt, wie auf Knopfdruck, auch in Deutschland Hunderttausende auf die Straße. Gewalt gegen unsere Polizisten aber erntet nur ein Achselzucken. Das ist zu wenig für einen Angriff, der am Ende uns allen, unserem Staat und unserer Kultur des toleranten und friedlichen Miteinanders gilt.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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