Alte Fehler nicht wiederholen

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Linksextremismus. MARCUS MÄCKLER.

Leipzig halt. Ein bisschen so klang sie, die öffentliche Reaktion auf die drei Krawallnächte vom Wochenende – ganz so, als sei linksextreme Gewalt irgendwie ärgerlich, aber auch nicht weiter der Rede wert, weil sie in einer solchen Stadt nicht überrascht. Wer so denkt, beteiligt sich an der Marginalisierung eines wachsenden Problems. Denen, die Steine auf Polizisten warfen, ging es nicht um steigende Mieten. Es ging ihnen um die Lust am Exzess.

Noch ist es nicht so weit, dass man linke und rechte Gewalt in einen Topf werfen könnte. Noch besteht ein gewaltiger Qualitätsunterschied: Während Rechtsextreme in den vergangenen Jahrzehnten aus Hass (und bisweilen erschreckend organisiert) Menschen töteten, zündeten Linksextreme allenfalls Barrikaden an. Aber die Aggression ändert zunehmend ihre Richtung, auch Linksextreme werten bereitwillig Leben ab und nehmen den Tod einzelner in Kauf. Diese Verschärfung jetzt zu erkennen, ist Aufgabe der Politik. Den Rechtsextremismus hat man, wie Politiker heute reumütig bekennen, viel zu lange unterschätzt. Der Fehler darf sich nicht wiederholen.

Nicht alle sind sich dieser Verantwortung bewusst, schon jetzt ist Leipzig ein politischer Charaktertest. Während die AfD die Randale nach erwartbarem Muster ausschlachtet, tut sich die doch eigentlich so pragmatische Ost-Linke mit einer Distanzierung schwer. Für eine Partei mit Regierungsambitionen ist das unwürdig.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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