Alles dreht sich um Corona Eine von vielen Krisen MARCUS MÄCKLER

Alles dreht sich um Corona. Eine von vielen Krisen .

MARCUS MÄCKLER

Für ein paar Wochen hat Corona die Welt angenehm übersichtlich gemacht. Statt glitschiger Komplexität gab es wieder einen klar umrissenen Gegner – fast konnte man meinen, wenn das Virus erst besiegt sei, trete der Weltfrieden ein. So langsam kommen aber die verdrängten Krisen der gar nicht so fernen Vergangenheit wieder aus der Deckung: Das Elend der Flüchtlinge in Griechenlands Lagern und ein befürchteter neuer Zustrom an die türkische Grenze. Der Klimawandel, der wohl einen weiteren Dürresommer und Schlimmeres schickt. Oder das schmerzlich-abrupte Ende des ewigen Steuerwachstums in Deutschland.

Es war politisch sicher richtig, sich in einer intensiven Phase mit aller Kraft gegen das Virus zu stemmen. Aber den Blick weiter eng zu halten hieße, die Fehler der letzten Jahre zu wiederholen. Da hatte allzu oft ein Großthema Konjunktur – erst die Flüchtlinge, dann das Klima – und erdrückte stets den Rest an Relevantem, Diskussionswürdigem und Dringlichem. Ohne die einzigartige Situation, in der die Welt gerade steckt, kleinreden zu wollen: Wir müssen darauf achten, dass sich 2020 inhaltlich nicht zum reinen Corona-Jahr auswächst und uns, ganz überraschend, all die anderen Probleme später um die Ohren fliegen. Was, wenn es Erdogan plötzlich wieder einfällt, ein bisschen Druck auf Europas Grenzen zu machen? Oder wenn die Hitze die Ernten wegbrennt? Corona mag die Herausforderung der Stunde sein – aber nicht die alleinige Herausforderung des ganzen Jahres.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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