Allenfalls ein Hilfsmittel

Start der Corona-App. MIKE SCHIER.

Es war wie so oft in diesem Lande. Eine gute Idee – die Corona-App, die die Infektionsverläufe in der Pandemie erkennt – wurde lange, sehr lange diskutiert. Man hörte alle Bedenkenträger, durchleuchtete alle juristischen Probleme. Jetzt, da die Infektionen deutlich zurückgehen, steht die App zur Verfügung. Sehr spät. Aber nicht zu spät. Jeder, dem seine Gesundheit am Herzen liegt, sollte sie sich auf sein Smartphone laden – wenn er eines hat.

Inzwischen haben Datenschützer kaum noch etwas zu meckern. Vor allem die dezentrale Datenspeicherung dürfte verhindern, dass mit sensiblen Informationen Schindluder getrieben wird. Damit sind die Gefahren der Corona-App nun wohl deutlich geringer, als wenn man Apps von Facebook oder Whatsapp installiert. Es gehört zu den Kuriositäten der Debatte, dass erstaunlich viele Bürger ihre Daten sorglos ausländischen Privatunternehmen anvertrauen, die damit Geld verdienen, beim eigenen Staat aber größte Bedenken hegen – selbst wenn der sie, wie in diesem Fall, vor allem schützen will.

Herausgekommen ist nun die Light-Variante einer Corona-App, bei der der Staat kaum noch Zugriff hat. GPS-Daten werden nicht genutzt. Ob die Kommunikation von Infizierten mit Laboren und Gesundheitsämtern (teilweise per Telefon!) funktioniert, steht in den Sternen. Man darf bezweifeln, ob das im Ernstfall im Kampf gegen eine Pandemie reicht. Und trotzdem: Im Zuge der Lockerungen kann die App ein Hilfsinstrument sein, schließlich merkt sich nicht jeder, mit wem er vor zwei Wochen für 15 Minuten zu tun hatte. Ein Wundermittel aber ist sie nicht. Abstand halten muss weiterhin jeder selbst.

Mike.Schierx@ovb.net

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