Aktienkultur in der Krise Ein Spielplatz für Zocker

Aktienkultur in der Krise. Ein Spielplatz für Zocker .

MARTIN PREM

Erst kräftig runter, dann wieder rauf und jetzt wieder runter – die deutschen Aktienmärkte drohen zur Zockerbude zu verkommen. Warum eigentlich? Während S&P 500 oder der britische FTSE 100 über Milliardenbeträge stabilisiert werden, die die dortige Bevölkerung in die eigene Altersversorgung investiert, haben spekulative Investoren in Frankfurt leichtes Spiel, Kurse zu beeinflussen. Dem Dax fehlen treue heimische Anleger.

Dagegen gäbe es ein Mittel: eine neue Aktienkultur. Man ergänzt die bisherige Steuer auf Veräußerungsgewinne durch eine angemessene Spekulationsfrist oder gegebenenfalls einen Freibetrag und macht es für Sparer attraktiv, die Eigenkapitalbasis der eigenen Wirtschaft zu stärken und deren Früchte zu ernten. Astronomische Summen, die auf Spar- oder Tagesgeldkonten brachliegen, könnten über Fonds oder auch direkte Investments den Unternehmen helfen. Dividenden und Wertsteigerungen sorgen dafür , dass sich die Sache auch auszahlt. Das wäre für die wirtschaftliche Erholung des Landes weit besser als alle Verstaatlichungs-Orgien.

Das sollte nicht missverstanden werden: Aktieninvestments sind langfristig zwar sinnvoll. Gegenwärtig aber bilden die Kurse trotz aller Rückschläge die Corona-Lasten noch nicht ab. Doch es ist höchste Zeit für die Politik, dafür zu sorgen, dass die deutsche Wirtschaft künftig nicht mehr Lieblings-Spielplatz globaler Hedgefonds ist.

Martin.Prem,@ovb.net

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