Adidas und die Mieten Drei Streifen im Egotrip MARTIN PREM

Adidas und die Mieten. Drei Streifen im Egotrip.

MARTIN PREM

Es war eine dreiste Aktion: Für Unternehmen, die in der Krise sonst unter die Räder kommen, gibt es eine längere Schonfrist bei ausbleibenden Mieten. Und der Erste, der dies lautstark beansprucht, ist mit Adidas einer der erfolgreichsten deutschen Konzerne. Natürlich ist es in der Wirtschaft üblich, um jeden Cent zu kämpfen. Doch in einer tiefen Krise gelten andere Benimmregeln: Gemeinsinn zu zeigen und bei Hilfen aller Art gegenüber denjenigen zurückzutreten, die sie am dringendsten brauchen.

Viele kleine und kleinste Handels- oder Gastronomiebetriebe sind durch die geltenden Beschränkungen in ihrer Existenz bedroht. Die meisten versuchen, mit viel Engagement kontaktlose Vertriebswege aufzubauen, bevor sie nach Hilfen rufen. Sie müssen dabei auch noch mit einer für ihre Belange verständnislosen Bürokratie kämpfen, die die Kreativität und gute Ideen der Kleinen nicht fördert, sondern nach Kräften behindert.

Adidas als gut vernetztes Unternehmen mit einem etablierten Online-Shop hat auch solche Probleme nicht. Der Weltkonzern könnte einfach durchstarten. Und ausgerechnet dieser Gigant hat im Egotrip versucht, sich an den Hilfsmaßnahmen zu vergreifen. Ein fatales Signal, das auf das Unternehmen zurückfällt. Der Imageschaden bei den Kunden ist gigantisch und mit einer halbherzigen Entschuldigungsbitte nicht aus der Welt zu schaffen. Viele werden die drei Streifen, die lange Zeit ein begehrtes Aushängeschild waren, nun schamhaft verstecken.

Martin.Prem@ovb.net

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