Adidas und das Miet-Desaster Der Egoismus des Branchenriesen

Adidas und das Miet-Desaster. Der Egoismus des Branchenriesen .

MARCUS MÄCKLER

In Zeiten des Zusammenhalts wirkt so ein gepflegter Shitstorm noch aufwühlender als sonst. Im Zentrum eines solchen steht aktuell – völlig zurecht – die Firma Adidas. Während andere Unternehmen ihren Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise leisten und Schutzkleidung statt Mode, Desinfektionsmittel statt Parfum, medizinisches Gerät statt Motoren produzieren, kündigte der Sportartikelhersteller eiskalt an, keine Miete mehr für seine Läden zu zahlen. Wie schäbig.

Ein Teil der Schuld liegt bei der Bundesregierung, die den gesetzlichen Rahmen in guter Absicht schuf, aber es versäumte, die Mietaussetzung in der Krise auf Privatleute und Kleinunternehmen zu beschränken. Der Branchenriese Adidas nahm die Lücke als Einladung, Kosten abzuwälzen – ohne jede Not. 23,6 Milliarden Euro Umsatz, zwei Milliarden Euro Gewinn, das sind die Zahlen von letztem Jahr. Das Unternehmen strotzt vor Kraft. Aber die verleitet offenbar zum Egoismus statt zur Solidarität.

Dieser auf Mitnahme getrimmte Geist regiert auch bei Firmen wie Deichmann oder H&M, die gleich verfahren. Am Ende der Krise wird es eine der Aufgaben der Politik sein, herauszufinden, wo wirklich Not herrschte und wo Habgier der Antrieb war. Dass Adidas am Sonntag unter Druck einen Teilrückzieher machte, ändert am entstandenen Schaden nichts. Fürs Image war die ganze Aktion Gift und auch finanziell nicht lohnenswert: Die Miete ist laut Gesetz nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Was für ein seltenes Eigentor.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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