Meinung

Die USA und Europa nach dem Amtsantritt von Joe Biden: Achtung, Seifenblasen

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Die Ära Trump ist vorbei und mit ihr verschwinden auch die Kälte, das Misstrauen, die Abneigung gegenüber den westlichen Verbündeten aus dem Weißen Haus. Gerade in Europa ist die Erleichterung gewaltig – zurecht.

Die überschwängliche Produktion von Brüsseler und Berliner Seifenblasen (neuer „Gründungspakt“, gemeinsamer „Marshallplan“) ist allerdings mehr Einlullungs-Versuch denn Aufbruchssignal. Natürlich weiß Europa, dass sich mit einem US-Präsidenten Joe Biden atmosphärisch einiges bessert – die schwierigen Themen aber bleiben.

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Derer gibt es viele: Nord Stream 2, die Verteidigungsausgaben (vor allem die deutschen), das bisweilen naive Verhältnis Europas zu China. Diese Streitthemen werden das Verhältnis zwischen den USA und Europa weiter prägen, zumal die Positionen Bidens inhaltlich nicht merklich von denen seines Vorgängers abweichen. Wenn es Europa mit der wiedergewonnenen Partnerschaft ernst ist, muss es sich, wo möglich, auch auf die USA zubewegen. US-Vorbehalte gegen russisches Gas oder lukrative Investitionsabkommen mit Peking lassen sich jedenfalls nicht mehr einfach mit Verweis auf das Irrlicht Trump abtun.

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„Dieser Tag bringt die USA zurück“, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen gestern. In dem gut gemeinten Satz liegt die böse Versuchung, einfach so weitermachen zu können wie in den Jahren vor Trump. Das wird aber weder den USA noch dem Anspruch eines souveränen Europas an sich selbst gerecht. Biden wird uns weniger schonen, als wir glauben.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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