Meinung

Abschied von Natascha Kohnen: Führungslos in die Zukunft

Mike Schier
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Mike Schier

Mit dem Abschied von Natascha Kohnen muss sich die bayerische SPD neu aufstellen

Vermutlich muss es die SPD Natascha Kohnen hoch anrechnen, dass sie nach dem blamablen Ergebnis bei der Landtagswahl nicht einfach alles hingeschmissen hat. Ja, die Spitzenkandidatin hatte im Wahlkampf Fehler gemacht und ihr sympathisches Wesen hinter einer moralinsauren Kampagne voller „Anstand“ versteckt. Doch dass die Partei sogar hinter die AfD auf Platz vier zurückfiel, hatte vor allem mit dem Streit um die Bundespolitik und Andrea Nahles zu tun. Heute sind von der Bayern-SPD zwar kaum Impulse zu hören, aber immerhin hat Kohnen den Verband in ruhigere Fahrwasser gelenkt.

Mit ihrem Abschied ist die Vergangenheitsbewältigung abgeschlossen, die Partei muss sich der Zukunft stellen – und da beginnen die Probleme: Ein überzeugender Nachfolger steht nicht bereit. Generalsekretär Uli Grötsch ist in München und Oberbayern weder vernetzt noch bekannt. Auch in der Fraktion im Landtag sucht man vergeblich nach Hoffnungsträgern, zumal der Parteinachwuchs hier ebenso unterrepräsentiert ist wie im Bundestag. Dort wurden neue Köpfe systematisch ausgebremst.

Große Aufbruchstimmung dürfte unter neuer Führung in Bayern also kaum aufkommen. Bis zur Landtagswahl liegt die Hoffnung allein auf dem Bund, wo im kommenden Herbst endlich der lang gehegte Wunsch nach Opposition in Erfüllung gehen dürfte. Vielleicht kann sich die Partei dann neu aufstellen. Vielleicht versinkt sie aber auch nur in der Bedeutungslosigkeit. Denn wie sagte einst der gute, alte Franz Müntefering? „Opposition ist Mist.“ In Bayern weiß das die SPD seit Jahrzehnten.

Mike.Schier@ovb.net

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