Abitur ohne Prüfung? Profilierung auf dem Rücken der Schüler

Abitur ohne Prüfung? Profilierung auf dem Rücken der Schüler .

DIRK WALTER

Bayern fährt beim Abitur auf Sicht. Die Entscheidung, den Start der Prüfungen wegen der Corona-Krise um drei Wochen auf den 20. Mai zu verschieben, war richtig. Ob der Termin dann zu halten ist, kann man heute seriös nicht vorhersagen. Der Kultusminister hat Recht: Schnellschüsse helfen nicht. Stand jetzt sollten die Abiturienten weiter lernen und sich auf die Prüfungen vorbereiten – das ohne direkten Kontakt mit den Lehrern zu bewerkstelligen, verlangt den Schülern einiges ab. In diese Phase der Unsicherheit platzt nun Schleswig-Holstein mit dem waghalsigen Vorstoß, man werde das Abitur einfach ausfallen lassen und die Abiturnote anhand der bereits erzielten Leistungen errechnen. Mit Verlaub: Sich so in Szene zu setzen, ist nicht seriös, ja Profilierung auf den Rücken der Schüler.

Die schleswig-holsteinische Kultusministerin sollte nach Hessen blicken, wo das Abitur bereits begonnen hat. Klar, es sind erschwerte Bedingungen. Aber es geht – mit maximal zehn Schülern in einem Raum und weiten Abständen zwischen den Tischen. Man könnte auch nur fünf Schüler im Raum sitzen lassen, oder drei. So oder so ähnlich könnte das Abitur dereinst auch in Bayern ablaufen. Ein Abitur ohne Prüfungen hingegen wäre ungerecht, schließlich machen die hier erzielten Punkte ein Drittel der gesamten Abiturnote aus. In der Corona-Krise sind kreative Lösungen gefragt.

Dirk.Walter@ovb.net

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