2.

2. Stammstrecke und U9.

Auf dem Rücken der Pendler

DIRK WALTER

So erfreulich es ist, dass München (in 20 Jahren!) eine neue Innenstadt-U-Bahnlinie 9 bekommen wird: Die positive Nachricht wird in diesem Fall ganz klar von einer negativen Begleiterscheinung überlagert. Infolge der U-Bahn-Planungen verzögert sich die zweite Stammstrecke um zwei Jahre. Mindestens zwei Jahre, denn wer weiß, was noch kommt. Pendler müssen also noch länger mit Engpässen im S-Bahn-System leben, mit Verspätungen, überfüllten Zügen und Pannen. Längst schon hätten Bypass-Verbindungen geschaffen werden können. Dass vor allem die S-Bahn-Ertüchtigung des Südrings über die Poccistraße nicht längst in Angriff genommen worden ist (und anscheinend immer noch nicht wird), geht klar aufs Konto des Freistaats und diverser CSU-Verkehrsminister (einer war auch von der FDP). Da sind bittere Fehler passiert, die sich jetzt rächen.

Auch die Stadt hat sich in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Es stimmt schon: Unter der rot-grünen Stadtregierung vergangener Zeiten herrschte beim U-Bahn-Bau Stillstand. Da wäre auch bei den Grünen, die sich jetzt vor lauter Kritik und Häme schier überschlagen, etwas Selbstkritik angebracht. Die U9 ist ja nicht eine Erfindung von gestern, sondern geistert in städtischen Papieren schon seit Jahren herum. Nur in die Stammstrecken-Planung eingefügt wurde sie nicht. Hätte, hätte, Fahrradkette, lautet ein alter Kalauer. Man kann nur hoffen, dass sich so gravierende Planungsfehler nicht wiederholen.

Dirk.Walter@ovb.net

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