2.

2. Stammstrecke später? Voll verplant .

DIRK WALTER

Um das mal klarzustellen: Die 2. Stammstrecke ist für die S-Bahn der Zukunft dringend notwendig. Sie sollte nicht kaputtgeredet werden, ein Planungsstopp wäre ein grober Fehler. Aber wie sie stellenweise geplant – besser: verplant – worden ist, das wirft viele Fragen auf. Nicht zum ersten Mal muss die Deutsche Bahn an entscheidenden Stellen nachbessern. Wenn nicht alles täuscht, wird sich das Projekt um zwei Jahre verzögern, vielleicht auch verteuern. Das ist angesichts des Stillstands, der in der Verkehrspolitik im Großraum München an vielen Stellen herrscht, eine mittlere Katastrophe.

Umso wichtiger ist, dass sich die Deutsche Bahn und das bayerische Verkehrsministerium um Transparenz bemühen. Im Moment ist davon wenig zu bemerken. Statt Änderungen an diesem Großprojekt vernünftig zu erklären, werden Planungsfehler schöngeredet. Die Stammstrecke ist aber kein x-beliebiger Privatbau. Wenn 3,6 Milliarden Euro Steuergelder verbaut werden, darf man Aufklärung erwarten, wenn es zu Verzögerungen kommt. Das umso mehr, da die jetzigen Umplanungen ziemlich sicher nicht die letzten gewesen sein werden: Die neue Haltestelle am Ostbahnhof wird wohl an anderer Stelle als in den Plänen eingezeichnet entstehen. Und vielleicht muss man auch die neuen Tunnelbahnhöfe verlängern, damit Regionalzüge durchfahren können. Die Stammstrecke ist ein Lackmustest dafür, ob Bayern ein Projekt in dieser Dimension fehlerfrei stemmen kann. Und man fragt sich etwas entgeistert, wie in den 1960er/70er-Jahren mir nichts, dir nichts ein ganzes U-Bahnnetz unter der Stadt verlegt werden konnte.

Dirk.Walter@ovb.net

Kommentare