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Winter immer kürzer

Wie lange können wir noch in unseren Bergen Skifahren? Das ist die traurige Prognose eines Experten

Die Ski-Zwergerl des TV Feldkirchen erlernten spielerisch, wie man sich beim Skifahren richtig bewegt.
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Die Ski-Zwergerl des TV Feldkirchen erlernten spielerisch, wie man sich beim Skifahren richtig bewegt. Aber wie lange können sie überhaupt noch fahren?
  • Kathrin Braun
    VonKathrin Braun
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Klimaforscher Harald Kunstmann sagt, dass sich die Schneesaison in den Alpen in den letzten 50 Jahren um einen Monat verkürzt hat. Das sind die Folgen.

War’s das bald mit dem Schnee? Harald Kunstmann ist Klimaforscher an der Uni Augsburg. Im Interview erklärt er, was Bayerns Skigebiete in den nächsten Jahren erwartet – und welche Folgen der schmelzende Schnee außerdem hat.

Herr Kunstmann, wie lange ist Skifahren noch möglich?

Harald Kunstmann: Grundsätzlich kann man sagen: je tiefer die Höhenlage, desto schwieriger wird es. Wir können in den höheren Lagen und mithilfe technischer Beschneiung sicher noch die nächsten 20 Jahre Ski fahren. Aber wir müssen eben immer weiter nach oben – und damit auch in ökologisch sensible Lagen.

20 Jahre? Das ist nicht besonders lang.

Kunstmann: Es ist doch schon länger so, dass die Schneesicherheit in Skigebieten hauptsächlich durch die technische Beschneiung aufrechterhalten wird. Im Mittelgebirge tut man sich jetzt schon schwer. Dazu kommt: Durch die stetige Erwärmung werden der nötige Energieeinsatz, der technische Aufwand und die damit verbundenen Kosten immer höher. Viele Betreiber stehen vor der Frage, ob sich das für sie noch rentiert. Vor allem in kleinen, tiefer gelegenen und nicht so prominenten Skigebieten.

Um wie viel ist der Schnee in den letzten Jahren zurückgegangen?

Kunstmann: Da gibt es viele Studien für unterschiedliche Regionen, deshalb ist es schwer, das pauschal festzuhalten. Letztes Jahr wurden aber Daten von mehr als 2000 Messstationen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien ausgewertet. Demnach hat sich die Schneesaison unterhalb von 2000 Metern in den letzten 50 Jahren um rund einen Monat verkürzt. Und die mittlere Schneehöhe in den Monaten November bis Mai ist pro Jahrzehnt um durchschnittlich 8,4 Prozent zurückgegangen.

Können wir ab jetzt jeden Winter mit weniger Schnee rechnen?

Kunstmann: Nein, so einfach kann man das nicht sagen. Wir wissen, dass die Schneesicherheit durch die steigenden Temperaturen stetig abgenommen hat. Und wir erwarten für die Zukunft, dass dieser Trend weitergeht. Aber – und das ist wichtig: Da geht es um einen langfristigen Trend. Es wird immer einzelne Regionen geben, einzelne Monate und auch einzelne Höhenlagen, die diesem Trend nicht immer folgen. Es wird auch in Zukunft lange, kalte Winter mit viel Schnee geben. Aber sie werden seltener.

Ist diese Entwicklung noch zu retten?

Kunstmann: Das hängt ganz davon ab, wie sich die Emissionen entwickeln werden. Wir arbeiten mit verschiedenen Szenarien. Wissenschaftler haben zum Beispiel für die Tiroler Gemeinde Obergurgl berechnet, dass sich die Skisaison im schlechtesten Fall, also mit dem rein fossilen Weg, bis 2100 um 70 Prozent verkürzt – also um zwei Monate im Frühjahr und einen Monat im Herbst. Wohlgemerkt auf fast 2000 Meter Höhe und mit Beschneiung. Mit dem Zwei-Grad-Ziel könnte man dort gerade noch die Kurve kriegen.

Abgesehen von der Skisaison – welche Folgen erwarten uns?

Kunstmann: Man muss natürlich sagen: Auf globaler Ebene ist es ein Luxusproblem, dass wir irgendwann nicht mehr Ski fahren können. Ich will das Problem nicht kleinreden, denn da geht es um Existenzen von Hoteliers und Skiliftbetreibern. Die weltweiten Auswirkungen sind aber viel massiver: Schnee bewirkt, dass geschmolzenes Wasser zu bestimmten Zeitpunkten im Tal zur Verfügung steht. Und das spielt in vielen Regionen eine große Rolle für die Landwirtschaft. In den Alpen betrifft das nur vereinzelte trockene Regionen. Aber in bevölkerungsreichen Gebieten in Asien ist das ein großes Problem, denn die Landwirte sind für die Bewässerung in der Trockenzeit vom Schmelzwasser aus dem Himalaja stark abhängig.

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