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Reisebranche auf Rekordkurs

„Die Reiselust ist extrem“ - Wo Sie dennoch ein Schnäppchen für Ihren Traumurlaub machen können

Ein Mann sitzt in einem Liegestuhl an der Playa de Palma und blickt aufs Meer hinaus.
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Ein Mann sitzt in einem Liegestuhl an der Playa de Palma und blickt aufs Meer hinaus.
  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
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  • Wolfgang Hauskrecht
    Wolfgang Hauskrecht
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Die Reiselust ist heuer fast wieder so groß wie im Rekordjahr 2019. Wer seinen Sommerurlaub noch nicht gebucht hat, sollte sich sputen. Experten erklären, warum es heuer voll und teuer werden kann am Meer – und wo trotzdem noch Schnäppchen möglich sind.

München – Im Reisebüro von Margit Thalmayr klingeln die Telefone in diesen Tagen ununterbrochen. „Wir haben Nachfrage ohne Ende“, sagt die 49-Jährige vom Reisebüro Weltenbummler in Türkenfeld im Kreis Fürstenfeldbruck. Seit 27 Jahren ist Thalmayr im Geschäft. Aber heuer, sagt sie, ist die Stimmung eine andere als sonst. Die Vorfreude ihrer Kunden sei so groß wie nie.

Nach mehr als zwei Jahren Pandemie sitzen die Deutschen auf gepackten Koffern. „Die Reiselust ist extrem“, sagt auch Miriam Hördegen, Reiseexpertin beim ADAC Südbayern. Während Strände und Hotelpools in den Pandemiejahren wegen der Reisebeschränkungen teilweise verwaisten, liegen die Buchungen der vergangenen drei Monate schon konstant über dem Niveau des Rekordjahres 2019. Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbands (DRV), hofft, dass bis zu den Sommerferien das Gesamt-Buchungsniveau von 2019 erreicht wird. „Die Aufholjagd läuft.“

Vor allem der Süden lockt die Deutschen

Vor allem der Süden lockt die Deutschen. Spanien, Griechenland, die Türkei und Ägypten sind heuer besonders beliebt, sagt Miriam Hördegen vom ADAC. „Gerade in der Türkei bleiben offenbar die russischen Gäste aus, da wurden viele Kapazitäten frei.“

Ein Großteil der Campingplätze in den südlichen Ländern ist ebenfalls schon weitgehend ausgebucht, sagt Hördegen. Auch die Fernreisen kommen zurück, betont DRV-Sprecher Schäfer. Die Badeziele in der Dominikanischen Republik oder auf den Malediven waren schon an Ostern gefragt und sind es immer noch. Im Inland ist die Nachfrage an Nord- und Ostseeküste groß. Die Buchungen zeigen: Das Meer lockt – egal wo.

Doch ein bisschen Unsicherheit schwingt bei den Kunden noch immer mit. Das bemerkt auch Margit Thalmayr in ihrem Reisebüro. „Die ersten Fragen in unserer Beratung drehen sich immer noch um coronabedingte Einschränkungen.“ Wo gelten welche Regeln? Brauche ich einen Test oder reicht mein Impfnachweis? Und was passiert, wenn doch noch kurzfristig eine Infektion dazwischenkommt? Weil jedes Land seinen eigenen Weg geht (siehe Kasten), ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Da gehen die Menschen lieber auf Nummer sicher. „Viele rufen gleich drei oder vier Mal an und fragen nach, ob sich an den Regeln noch etwas geändert hat“, sagt Thalmayr. Zudem sind flexible Tarife mit Stornierungsmöglichkeit gefragt wie nie. „Und fast jeder schließt eine Versicherung zu seiner Reise ab.“ Die erzwungenen Umbuchungen der vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen bei den Kunden.

„Die Deutschen geben deutlich mehr Geld aus“

Doch diese Unsicherheiten bremsen die Reiselust der Deutschen genauso wenig wie die politischen Krisen in Europa oder die Inflation. „Die Deutschen geben deutlich mehr Geld aus, weil sie die letzten Jahre nicht weg waren“, sagt DRV-Sprecher Schäfer. Und das müssen sie teilweise auch. Insgesamt sei die Preissituation laut DRV zwar weitgehend stabil ohne große Ausschläge. Aber sowohl Miriam Hördegen wie Margit Thalmayr beobachten, dass die Preise in der Hochsaison teilweise dennoch kräftig angezogen haben – allerdings sehr abhängig vom Reiseziel. „Vor allem sind die Schwankungen extrem geworden. Da kostet ein Angebot eines Veranstalters schon mal 200 bis 300 Euro mehr am nächsten Tag“, sagt Thalmayr.

Das liegt auch an den Flügen, die wegen der hohen Kerosinpreise mitunter deutlich teurer sind als vor der Pandemie. Zwar haben sich die Fluggesellschaften in der Regel schon mit Kerosin eingedeckt. Aber bei dem Treibstoff, der jetzt eingekauft wird, schlägt der Rohölpreis voll durch. Weitere Preisanpassungen in diesem Jahr seien deshalb wahrscheinlich, bestätigt etwa ein Sprecher der Lufthansa. Auch er empfiehlt deshalb wie die Reiseexperten eine frühzeitige Buchung. Noch deutlicher ist der Preisanstieg bei den Mietwagen – was aber nicht nur am Benzinpreis liegt (siehe Text unten).

Die Schnäppchen-Möglichkeiten

Für Schnäppchen-Jäger könnte es heuer also schwierig werden. Doch einige Möglichkeiten gibt es, um das Loch im Geldbeutel nicht allzu groß werden zu lassen. DRV-Sprecher Schäfer rät zum Beispiel zur Pauschalreise. Die Veranstalter hätten ihre Kontingente an Hotels und Flügen bereits im vergangenen Jahr eingekauft, deswegen gebe es bei Pauschalreisen eine „deutlich bessere Preisabsicherung“, als wenn man sich die Module selbst zusammenbucht. Bei hoher Nachfrage könnten diese Kontingente aber bald erschöpft sein und Pauschalreisen teurer werden, weil die Veranstalter zu aktuellen Preisen nachkaufen müssten. Unter Umständen können sogar bereits gebuchte Pauschalreisen nachträglich teurer werden – auch wenn das bisher sehr selten vorkommt. Erhöhungen sind aber nur möglich, wenn der Veranstalter sich das in den Geschäftsbedingungen eindeutig vorbehält und den Kunden spätestens 20 Tage vor der Abreise mit Begründung informiert. Als Hausnummer gilt: Eine Erhöhung von mehr als acht Prozent ist nicht erlaubt.

Miriam Hördegen rät, bei der Suche nach der Unterkunft – egal, ob Hotel, Ferienwohnung oder Campingplatz – nicht nur auf die erste Reihe am Strand zu blicken. „In Kroatien zum Beispiel gibt es noch das ein oder andere Juwel im Hinterland, in dem noch Übernachtungsplätze frei sind.“ Auch Last-Minute-Schnäppchen seien vereinzelt möglich: Aber nur, wenn man zeitlich und beim Reiseort sehr flexibel ist.

Margit Thalmayr hat eine Sparte ausgemacht, in der die Nachfrage noch nicht so zu spüren ist wie anderswo: die Kreuzfahrten. Die Branche habe unter der Pandemie am meisten gelitten. Auch für den Sommer gebe es noch freie Plätze. „Mein Gefühl ist: Da könnte man einen Schnapper machen.“

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