Schlafende Schönheit

Bulgariens Plowdiw wird 2019 Kulturhauptstadt

Unter der Fußgängerzone verbirgt sich das 180 Meter lange römische Stadion aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. In vielen Geschäften ist es durch Glasböden hindurch sichtbar. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
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Unter der Fußgängerzone verbirgt sich das 180 Meter lange römische Stadion aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. In vielen Geschäften ist es durch Glasböden hindurch sichtbar. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
Wo sich das Minarett der osmanischen Dschumaja-Moschee in die Höhe streckt, klettert man in die freigelegten unterirdischen Ränge des römischen Stadions. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
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Wo sich das Minarett der osmanischen Dschumaja-Moschee in die Höhe streckt, klettert man in die freigelegten unterirdischen Ränge des römischen Stadions. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
Noch gleicht das Kino Kosmos aus den 60er Jahren einer abrissreifen Betonruine. Bis zum Beginn des Festjahres soll hier ein Kulturzentrum mit Bibliothek und Mehrzweckhalle entstanden sein. Foto: Gabriele Derouiche
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Noch gleicht das Kino Kosmos aus den 60er Jahren einer abrissreifen Betonruine. Bis zum Beginn des Festjahres soll hier ein Kulturzentrum mit Bibliothek und Mehrzweckhalle entstanden sein. Foto: Gabriele Derouiche
Das Kino Kosmos soll noch saniert werden. Hier sahen viele ihren ersten ausländischen Film. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
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Das Kino Kosmos soll noch saniert werden. Hier sahen viele ihren ersten ausländischen Film. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
Vor wenigen Jahren wurde das historische Quartier Kapana renoviert, als Bindeglied zwischen Altstadt und zentraler Einkaufszone. Foto: Violeta Dincheva
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Vor wenigen Jahren wurde das historische Quartier Kapana renoviert, als Bindeglied zwischen Altstadt und zentraler Einkaufszone. Foto: Violeta Dincheva
Graffitikünstler Stern schmückt die Fassaden von Plowdiw mit Street Art. Foto: Gabriele Derouiche
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Graffitikünstler Stern schmückt die Fassaden von Plowdiw mit Street Art. Foto: Gabriele Derouiche
Die Fassaden des alten Handwerkerviertels Kapana im Herzen der Stadt schmücken heute bunte Graffitis. Foto: Gabriele Derouiche
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Die Fassaden des alten Handwerkerviertels Kapana im Herzen der Stadt schmücken heute bunte Graffitis. Foto: Gabriele Derouiche
Papierkünstlerin: Temenuzhka gestaltet in ihrem Laden Dekorationen, Schmuck und Lampenschirme. Foto: Gabriele Derouiche
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Papierkünstlerin: Temenuzhka gestaltet in ihrem Laden Dekorationen, Schmuck und Lampenschirme. Foto: Gabriele Derouiche
Die bekannteste der Trutzvillen der Händlerfamilien ist das Balabanov Haus. Hinter den Mauern verbergen sich idyllische Gärten. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
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Die bekannteste der Trutzvillen der Händlerfamilien ist das Balabanov Haus. Hinter den Mauern verbergen sich idyllische Gärten. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
Das antike Theater dient jeden Sommer und besonders 2019 als spektakuläre Kulisse von Opern- und Konzertfestivals. Foto: Plovdiv 2019 Foundation
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Das antike Theater dient jeden Sommer und besonders 2019 als spektakuläre Kulisse von Opern- und Konzertfestivals. Foto: Plovdiv 2019 Foundation

Bühne frei für eine der ältesten Städte des Kontinents: Plowdiw. Hier trifft man Lokalpatrioten, Musiker und Künstler an jeder Straßenecke. Mancherorts liegt die Kunst unter der Straße. Die zweitgrößte bulgarische Metropole wird 2019 Kulturhauptstadt Europas.

Plowdiw (dpa/tmn) - Wenn im nächsten Frühling die Bäume wieder grünen, wird sich endlich wieder dichtes Blattwerk vor die maroden Betonkästen legen und die Tristesse verdecken. Plowdiw im Süden Bulgariens unterscheidet sich an seinen Rändern wenig von anderen sozialistischen Einheitsstädten.

Im Inneren erweist es sich als eine der ältesten Städte Europas. 2019 wird es, neben Matera, eine der zwei Kulturhauptstädte Europas sein. Dafür hat sich Kapana, das alte Handwerkerviertel im Herzen der Stadt, ganz besonders in Schale geworfen: Seine grauen Fassaden schminkt Graffitikünstler Stern mit salonfähiger Street Art, freundlich fauchenden Krokodilen und anderen neckischen Monstern.

Historisches Quartier Kapana

Mittendrin hockt Temenuzhka mit ihren Freunden vor ihrem Laden. "Ich hoffe, dass die Kulturhauptstadt uns viele Kunden bringt", sagt sie und blickt auf den Zierrat in ihrem Schaufenster. Aus gerollten und geleimten Prospektstreifen gestaltet sie Katzen, Schmuck und Lampenschirme. Bis vor wenigen Jahren war das historische Quartier Kapana aufgegeben, dann möbelte die Kommune es auf, als Bindeglied zwischen Altstadt und zentraler Einkaufszone. In den Erdgeschossen hat sich seitdem eine bunte Vielfalt kleiner Gewerbe angesiedelt.

Einen kleinen Spaziergang weiter in Richtung Innenstadt steht Kristofer Kem in einer der längsten Fußgängerzonen Europas. Schwarzes Sakko, rote Schleife, wilde Mähne. Der Mann spielt ein selbst arrangiertes Capriccio auf seiner Geige, dahinter steht in großen bunten Buchstaben: " Plovdiv together 2019", das Motto der künftigen Kulturhauptstadt Europas. Die bezaubernd schräge Melodie mischt sich mit dem Rauschen einer 50 Meter langen Wasserkaskade, die extra angelegt wurde.

Römisches Stadion

Unter der lebhaften Fußgängerzone mit ihren Seifengeschäften, Schuhsalons und erstaunlich wenigen Ladenketten verbirgt sich das 180 Meter lange römische Stadion aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. In vielen Geschäften ist es durch Glasböden hindurch sichtbar.

Die Reste römischer Monumentalbauten sowie christliche, jüdische und muslimische Gotteshäuser erzählen die Geschichte der uralten, auf drei Hügeln erbauten Messestadt, die heute mit etwa 330.000 Einwohnern die zweitgrößte Metropole Bulgariens ist. Eingebettet in die thrakische Ebene an der Kreuzung großer Handelswege reicht Plowdiws Historie von prähistorischer Besiedlung bis hin zur bulgarischen Wiedergeburt im 19. Jahrhundert.

Über allem thront die "schlafende Schönheit", wie der Volksmund die museale Altstadt nennt. Vorbei an pittoresken Hotels, deren Empfangshallen plüschigen Salons gleichen, gelangt man zu den bunt bemalten Trutzvillen der Händlerfamilien, deren bekannteste das Balabanov Haus ist. Hinter dicken Mauern wispern Brunnen, leiten idyllische Gärten zu prunkvollen Anwesen.

Das römische Theater muss den Vergleich mit anderen antiken Architekturdiven nicht scheuen. Mit seinen einst 7000 Sitzen und der Aussicht auf den Gebirgszug der Rhodopen dient es jeden Sommer und besonders 2019 als Kulisse für Opern- und Konzertfestivals.

Soziale Projekte

Doch für die Bewerbung Plowdiws als Kulturhauptstadt Europas waren nicht allein die historischen Stätten ausschlaggebend. Die Präsentationsmappe verzeichnete viele aktuelle, auch soziale Projekte, mit denen die Stadt um den Titel rang. Große Hoffnung hatte man sich nicht gemacht, im Rennen gegen die Hauptstadt Sofia. Umso größer war die Euphorie nach dem Zuschlag vor vier Jahren.

"Alle für einen", die bulgarische Durchhalteparole des Komitees, wurde schließlich zum englischen Motto "Plovdiv together 2019". Viele der großen Pläne sind Träume geblieben - wie die Sanierung des Kinos Kosmos, ein modernistischer Filmpalast von Anfang der 1960er Jahre. "In dem viele ihren ersten ausländischen Film sahen", wie die künstlerische Leiterin der Kulturhauptstadt Svetlana Kuyumdzhieva erzählt.

Noch gleicht der 900 Besucher fassende Saal, den eine elegant geschwungene Treppe mit dem Foyer verbindet, einer abrissreifen Betonruine. Bis zum Beginn des Festjahres soll hier eigentlich ein Kulturzentrum mit Bibliothek und Mehrzweckhalle entstehen. "Wir arbeiten daran", sagt Kuyumdzhieva.

Plovdiv 2019

Plowdiw

Anreise: Direktflüge nach Sofia ab mehreren deutschen Flughäfen, etwa mit Lufthansa, Bulgaria Air und Wizz Air. Weiter nach Plowdiw (144 Kilometer) mit Bus, Taxi oder Hoteltransfer.

Übernachtung: Empfehlenswert sind die kleinen, stilvollen Hotels in der Altstadt. Im modernen Zentrum auch Vier-und Fünf-Sterne Hotels.

Programm und Informationen: www.plovdiv2019.eu

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