Flugmanöver

Was hat es mit der „Kotzkurve“ am Flughafen BER auf sich?

Der Airbus der französischen Fluggesellschaft Air France hebt vom Flughafen Tegel ab.
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Gerade der Start ist beim Fliegen eine heikle Phase – und am BER kann er unter bestimmten Umständen sogar für flaue Mägen sorgen. (Symbolbild)
  • Franziska Kaindl
    vonFranziska Kaindl
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Haben Sie schon von dem neuen Flugmanöver gehört, das speziell am neuen Flughafen BER in Berlin zum Einsatz kommen soll? Insgeheim ist es auch als „Kotzkurve“ bekannt.

Am 31. Oktober wurde nach vielen Jahren Bauverzögerung endlich der Flughafen Berlin Brandenburg – kurz: BER – eröffnet. Was viele nicht wissen: Auf der Südbahn kann es sein, dass Flugreisende in Zukunft unter bestimmten Umständen in den Genuss eines neuen Flugmanövers kommen, das speziell für diese Startbahn erfunden wurde. Allerdings könnte es für manche Fluggäste* unangenehm werden. Das Manöver hat nämlich den Beinamen „Kotzkurve“ erhalten.

Neues Flugmanöver am BER: Das steckt hinter der „Kotzkurve“

Eigentlich nennt sich das Flugmanöver „Hoffmannkurve“. Es wurde nach dem Erfinder und Piloten Marcel Hoffmann benannt, der dafür die entsprechenden Berechnungen aufgestellt hat. Der Begriff bezeichnet eine 145-Grad-Rechtskurve, also eine Richtungsänderung, kurz nach dem Start ab einer Höhe von 600 Fuß – etwa 180 Metern. Das Manöver soll nur bei Ostwind zum Einsatz kommen und auch nur auf der Südbahn. Trotzdem prophezeien einige Piloten und Experten bereits einen unwohlen Magen der Passagiere – es wird nämlich vielerorts auch als „Stuntkurve“ oder „Kotzkurve“ tituliert.

Flugmanöver: Warum braucht es die „Hoffmannkurve“ am BER?

Zu den Überlegungen bezüglich der speziellen Flugroute kam es bereits 2010, als klar wurde, dass viel mehr Anwohner vom Lärm des BER betroffen sein würden, als zuvor angenommen. Die „Hoffmannkurve“ dient also dem Lärmschutz.

Die Route wurde bereits 2012 festgelegt und vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) geprüft. Sie entspricht den Vorgaben der International Civil Aviation Organization (ICAO), heißt es in einem Bericht des Tagesspiegels. Trotzdem gibt es Kritik an der „Hoffmannkurve“: Der Berufsverband „Cockpit“ bezeichnete die Flugroute schon bei ihrer Festlegung als unnötiges Sicherheitsrisiko. Piloten würden sich bei der kritischen Startphase lieber auf einen Geradeaus-Steigflug konzentrieren.

„In der Kurvenlage steigt das Flugzeug schlechter, die Steigrate ist geringer. Kommt es zu einem Zwischenfall, Vogelschlag oder einem technischen Defekt steigt die Mehrbelastung der Pilotinnen und Piloten“, erklärt der Pressesprecher der Vereinigung Cockpit auf Anfrage von Merkur.de.

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Flugmanöver am BER: Sorgt die „Hoffmannkurve“ wirklich für Übelkeit bei Passagieren?

Das BAF erklärte dem Tagesspiegel diesbezüglich, dass das Flugmanöver sicher sei und alternativ die „GORIG“-Route für einen längeren Geradeaus-Steigflug gewählt werden könne. Diese verbrauche allerdings mehr Treibstoff und bräuchte mehr Zeit.

Auch der Pressesprecher der Vereinigung Cockpit gibt Entwarnung hinsichtlich der Begrifflichkeiten wie „Kotzkurve“ oder „Stuntkurve“: „Es ist kein Stunt und es werden sich auch nicht reihenweise Passagiere übergeben. Dennoch könnte es den einen oder anderen Passagier mit Flugangst beunruhigen, wenn sich das Flugzeug so kurz nach dem Start in eine Kurve legt.“ Die Kurve sei aber generell nicht schwieriger zu fliegen als andere. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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