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Impfung und wer besonders gefährdet ist

Grippewelle kommt früh und heftig: Alles was Ihr über die Infektionskrankheit wissen müsst

Grippe
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Die Grippewelle hat früher als erwartet begonnen.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Die Grippewelle hat begonnen, so die Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI). Das Institut meldet vergleichsweise früh hohe Fallzahlen. Die Grippe ist eine ernstzunehmende Infektionskrankheit, die vor allem für ältere oder vorerkrankte Menschen schwer verlaufen und auch tödlich enden kann.

Deutschland - „Ich hab‘ die Grippe“: So redet manch einer daher, der eher eine harmlose Erkältung hat - einen „grippalen Infekt“. Allerdings ist eine Grippe eine ernstzunehmende Infektionskrankheit. Das RKI meldet bereits seit einigen Wochen, und damit vergleichsweise früh, hohe Fallzahlen. Maßgeblich dafür sind Proben von Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen.

„Stark vereinfacht kann man sagen: Wenn in jeder fünften Patientenprobe tatsächlich Influenzaviren nachgewiesen werden – die sogenannte Positivenrate also bei etwa 20 Prozent liegt – hat die Grippewelle begonnen“, erklärt hierzu das RKI. „Während der letzten Monate wurden deutlich mehr Influenzameldungen an das RKI übermittelt als in den vorpandemischen Saisons um diese Zeit“.

Allerdings könnte das auch daran liegen, dass seit der Corona-Pandemie empfohlen wird, bei Atemwegssymptomen auch auf Influenzaviren zu testen.

Nach Corona: Gefährliche Grippewelle?

Besonders in dieser Saison könnte sich die Impfung lohnen, denn „mit jedem Jahr, in dem die Grippe nicht oder kaum zirkuliert, wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass es zu einer stärkeren Grippewelle kommt“, sagt Prof. Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. In den vergangenen zwei Jahren gab es durch das konsequente Maskentragen vergleichsweise wenige Fälle.  Auch Hausärzte und Apotheker haben angesichts der bevorstehenden Grippesaison für die Schutzimpfung gegen Influenza geworben. 

Mit einer deutlichen Steigerung der Impfquoten könne die bevorstehende Grippesaison „wesentlich entspannter“ angegangen werden, erklärte Weigeldt zum Auftakt des Deutschen Hausärztetags in Berlin. Die Zielvorgaben der Europäischen Union, wonach 75 Prozent der älteren Menschen gegen Grippe geimpft werden sollen, wird in Deutschland bislang nicht annähernd erreicht. So lag die bundesweite Impfquote in der Grippesaison 2019/2020 bei den über 60-Jährigen bei 38,8 Prozent.

Vor- und Nachteile der Corona-Maßnahmen

„Nach bald drei Jahren Corona-Fokus, müssen die Menschen aber auch in ihrem täglichen Leben wieder an die Relevanz anderer Impfungen erinnert werden“, forderte Weigeldt, der dabei auch die Politik in der Pflicht sieht. Ziel sollte es sein, dass sich mindestens zwei Drittel der Älteren in dieser Saison gegen Influenza impfen lassen, „gerade auch, weil es dieses Jahr unter Umständen zu einer deutlich heftigeren Grippewelle als in den vergangenen Jahren kommen könnte“.

Aufgrund der Schutzmaßnahmen gegen Corona - Maske und andere Beschränkungen - habe man auch die vergangenen Grippesaisons vergleichsweise sehr gut überstanden. Das Risiko für eine Ansteckung mit Grippe dürfte in diesem Herbst „für viele größer sein, weil das Immunsystem nach zwei Jahren mit niedrigen Grippezahlen auf den Erreger nicht gut vorbereitet ist“, warnte auch der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), Thomas Dittrich, in München.

Wer sollte sich impfen lassen?

Vor allem älteren Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel sowie Menschen mit Grunderkrankungen empfiehlt die Stiko die Impfung. Der Grund: Für diese Personen kann eine Infektion eine erhöhte gesundheitliche Gefährdung bedeuten.

Für ältere Menschen ist die Schutzmaßnahme laut Deutscher Seniorenliga sinnvoll, da das Abwehrsystem mit zunehmendem Alter nicht mehr so effektiv arbeite und diese Personengruppe durch chronische Erkrankungen oft vorbelastet sei.

Zu den Grundleiden, die schwerere Krankheitsverläufe begünstigen, zählen laut Robert-Koch-Institut (RKI) unter anderem chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Leber-, Nieren-, Herz-, Kreislauf- oder chronische neurologische Krankheiten sowie Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes.

Eine Grippeschutzimpfung wird auch Menschen empfohlen, die einem erhöhten beruflichen Risiko ausgesetzt sind, etwa medizinischem Personal sowie Pflegepersonen von Risikopatienten.

Ist die Impfung auch für Kinder ratsam?

Bernd Salzberger sagt: „Säuglinge können und sollten durch die Impfung der Mutter in der Schwangerschaft geschützt sein, bei größeren Kindern sind die Krankheitsfolgen meist gering - deshalb empfiehlt die Stiko hier keine Impfung“.

Der Infektiologe führt aber einen sozialen Grund an, über den sich Familien Gedanken machen können: Eine Impfung bei Kindern könne Erwachsene schützen, „zum Beispiel vorerkrankte Großeltern“.

Wann sollte ich mich impfen lassen?

Jährliche Grippewellen mit erhöhter Aktivität von Influenzaviren haben in der Vergangenheit meist nach der Jahreswende begonnen. In diesem Jahr ist die Grippewelle früher dran - nach der Definition der RKI hat sie in diesem Jahr schon in der Woche bis 30. Oktober begonnen.

Es ist also sinnvoll, die Impfung nicht allzu lange aufzuschieben. Denn: Bis sich der Infektionsschutz nach der Impfung aufgebaut hat, dauert es zehn bis 14 Tage.

Aber auch später, also im Verlauf einer Grippewelle, ist die Impfung noch sinnvoll, da nie genau vorhergesagt werden kann, wie lange eine Welle dauert. Der Impfschutz nimmt etwa drei Monate nach der Injektion langsam wieder ab.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Jeder Arzt oder jede Ärztin kann eine Grippeimpfung grundsätzlich verabreichen. Erster Ansprechpartner ist in vielen Fällen der Hausarzt, aber auch in manchen Gesundheitsämtern wird gegen die Grippe geimpft.

Zusätzlich bieten vereinzelt Arbeitgeber ihren Mitarbeitern an, sich die Injektion von Betriebsärzten setzen zu lassen. Und: In dieser Saison dürfen erstmals auch Apotheken Grippeschutzimpfungen anbieten. Und zwar gesetzlich krankenversicherten Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.

Welchen Schutz bringt die Grippeimpfung?

Keinen 100-prozentigen. Trotz Impfung kann man erkranken. Der saisonale Impfstoff enthält Bestandteile der Virusvarianten, die für die kommende Saison erwartet werden. Da die Weltgesundheitsorganisation WHO die Zusammensetzung für den Impfstoff jedes Jahr bereits im Frühjahr festlegt, um den Impfstoffherstellern genügend Zeit zu geben, gibt es Unsicherheiten. Denn die Viren verändern sich schnell.

Es ist möglich, „dass die in der folgenden Saison hauptsächlich auftretenden Influenzaviren nicht so gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen übereinstimmen“, schreibt das RKI. Bei einer sehr guten Übereinstimmung könne die Schutzwirkung bei jungen Erwachsenen bei bis zu 80 Prozent liegen.

Aufgrund ihrer reduzierten Immunantwort können ältere Menschen ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, nur etwa halbieren. Aber wie bei Corona gilt: Eine Erkrankung verläuft bei geimpften Personen in der Regel milder als bei Ungeimpften. Das zeigten viele Studien, informiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV).

Gibt es Alternativen zur Impfung, um sich zu schützen?

Ja, was auch die zuletzt nur sehr wenigen Grippefälle in Zeiten der Maskenpflicht belegen. „Eine Maske bei Infizierten verringert das Risiko einer Weitergabe, eine FFP2-Maske bei Nicht-Infizierten das einer Infektion“, sagt Bernd Salzberger.

Weil keine Impfung zu 100 Prozent schützt, legt das RKI weitere Maßnahmen nahe: So sollten vor allem Risikopatienten genügend Abstand zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung halten. Großeltern etwa können den Besuch bei erkrankten Enkelkindern verschieben. Regelmäßiges gründliches Händewaschen kann das Risiko einer Atemwegsinfektion ebenfalls vermindern.

Hat die Grippeschutzimpfung Nebenwirkungen?

„Der saisonale Influenza-Impfstoff ist in der Regel gut verträglich“, schreibt das RKI. Doch Lokalreaktionen wie leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle sind nicht ausgeschlossen. Gelegentlich treten auch typische Erkältungssymptome wie Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gliederschmerzen auf.

Meistens klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab, so das RKI. Bei Hochdosis-Impfstoffen seien ausgeprägtere lokale Nebenwirkungen möglich. Wird ein Lebendimpfstoff als Nasenspray verabreicht, kann die Nase vorübergehend verstopft sein oder laufen.

Ist es problematisch, sich gleichzeitig gegen Influenza und Covid-19 impfen zu lassen?

Laut Stiko-Empfehlung ist die simultane Impfung möglich. Jedoch könnten Impfreaktionen häufiger als bei der getrennten Gabe auftreten. Die Injektion sollte jeweils an unterschiedlichen Gliedmaßen erfolgen.

Müssen Patienten die Impfung selbst zahlen?

Die Kosten einer Grippeimpfung zahlt bei Personen, für die die Stiko sie empfiehlt, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Teilweise übernehmen die Kassen die Impfkosten auch für weitere Patientengruppen oder sie steuern einen Anteil bei. Im Zweifel ruft man bei der eigenen Kasse an und fragt nach.

„Auch wenn eine medizinische Indikation seitens einer Ärztin oder eines Arztes festgestellt wird, werden die Kosten übernommen“, heißt es beim GKV-Spitzenverband. Muss man für den Piks letztlich selbst aufkommen, berechnen Arztpraxen je nach genutztem Impfstoff und Umfang der Beratung etwa 30 bis 60 Euro.

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