Kliniken setzen es trotzdem ein

Magenmittel mit fatalen Folgen für Baby und Mutter: Ärzte warnen eindringlich vor diesem Medikament

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Ein Medikament, das zur Geburtseinleitung verwendet wird, kann nicht nur dem Ungeborenen, sondern auch der Mutter schaden.
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In manchen Fällen muss die Geburt eingeleitet werden - mit Hilfe von Medikamenten. Die Magentablette Cytotec war nie zugelassen für diesen Fall und doch findet sie Anwendung - mit fatalen Folgen.

Verstreicht der errechnete Geburtstermin, empfehlen viele Ärzte eine Geburtseinleitung. Das Ungeborene soll so vor möglichen Risiken wie etwa einer unzureichenden Versorgung mit Nährstoffen geschützt werden. Doch eine Geburtseinleitung birgt Gefahren. So soll ein Medikament, das zu diesem Zweck eingesetzt wird, Hirnschäden bei Babys verursachen. Die Rede ist vom Magenschutzmittel Cytotec.

Magenmittel Cytotec in der Geburtshilfe: ungeborenes Leben in Gefahr

Obwohl das Medikament nie für die Geburtsmedizin zugelassen wurde, würde die Hälfte der deutschen Kliniken Cytotec zur Einleitung einer Geburt einsetzen, wie die Tagesschau unter Berufung auf eine nicht veröffentlichte Umfrage der Universität Lübeck meldete. Illegal wäre dieses Vorgehen nicht: Im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit sei die Anwendung zulässig. In diesem Fall spricht man vom sogenannten Off-Label-Use: Der Verordnung eines Arzneimittels* außerhalb des durch die Arzneimittelbehörden zugelassenen Gebrauchs.

"Zu den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen, die nach der Off-Label-Anwendung von Cytotec bei schwangeren Frauen gemeldet wurden, gehören der Tod der Mutter oder des Fötus; eine Überstimulation der Gebärmutter, Ruptur oder Perforation der Gebärmutter", warnte der Cytotec-Hersteller Searl, der heute zum Pharmariesen Pfizer gehört, bereits vor 20 Jahren in einem Schreiben an Ärzte. Doch trotzdem fand und findet das Präparat häufig Anwendung in der Geburtshilfe, auch wegen der einfachen Verabreichung durch die Tablettenform und den günstigen Preis.

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"Es gibt für mich keinen Grund der Welt, warum ich als Arzt ein gefährliches..."

Nicht nur körperliche und geistige Schäden sollen durch Cytotec-Gabe bei Säuglingen entstanden sein, sogar zu Todesfällen sei es aufgrund von Komplikationen nach der Einnahme von Cytotec schon gekommen, wie die Tagesschau berichtete. Nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich ziehen betroffene Frauen vor Gericht. Sie bekamen Cytotec zur Einleitung der Wehen, was einen Wehensturm zur Folge haben kann, der zu schweren Komplikationen während der Geburt* führen kann. Dazu zählt etwa eine unzureichende Versorgung des Ungeborenen mit Sauerstoff.

Nicht nur Organisationen wie die französische Gesundheitsbehörde ANSM und die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA warnen Frauen vor Komplikationen wie dem Todesrisiko von Müttern und Babys. Auch viele Ärzte sehen im Gebrauch von Cytotec eine nicht zu verantwortende Maßnahme. So meint Peter Husslein, Professor für Geburtshilfe und Leiter der Universitäts-Frauenklinik Wien: "Es hat zahlreiche mütterliche Todesfälle verursacht. Es gibt für mich keinen Grund der Welt, warum ich als Arzt ein gefährliches nicht registriertes Medikament anwenden sollte."

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Cytotec: Ärzte kommen ihrer Aufklärungspflicht oftmals nicht nach

Wenn Mediziner Cytotec im Off-Label-Use anwenden, sind sie gesetzlich verpflichtet, die Patienten oder Schwangeren darüber aufzuklären. Auch die Risiken und Nebenwirkungen* müssen erklärt werden. Das geschehe nach Recherchen von BR und SZ oftmals nicht oder nur ungenügend, wie die Tagesschau meldete.

Aktuell gibt es keine Datenbank, in welcher durch Cytotec geschädigte Mütter und Neugeborene gelistet werden. Daher weiß niemand, zu wie vielen Behinderungen oder sogar Todesfällen es durch Gabe des Arzneimittels bislang gekommen ist.

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jg

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