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Siebthäufigste Todesursache

Angst vor Demenz: Auf diese Anzeichen solltet Ihr dringend achten und diese Risiken vermeiden

  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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In Deutschland leben nach jüngsten epidemiologischen Schätzungen rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Doch auch jüngere Menschen können an Demenz erkranken. Umso wichtiger ist es Frühwarnsignale richtig zu deuten und Risikofaktoren zu minimieren.

Deutschland - Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf. Sie summieren sich im Lauf eines Jahres auf mehr als 300.000. Infolge der demografischen Veränderungen kommt es zu weitaus mehr Neuerkrankungen als zu Sterbefällen unter den bereits Erkrankten. Aus diesem Grund nimmt die Zahl der Demenzerkrankten kontinuierlich zu.

Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach unterschiedlichen Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen. Der Oberbegriff Demenz beschreibt das Symptombild einer ganzen Reihe von meist fortschreitenden Krankheiten, welche die Leistungsfähigkeit des Gehirns beeinflussen - zu den häufigsten und bekanntesten gehört die Alzheimer-Demenz.

WHO: Demenz siebthäufigste Todesursache

Im Durchschnitt beläuft sich die Dauer bei einem Krankheitsbeginn im Alter unterhalb von 65 Jahren auf acht bis zehn Jahre. In Deutschland sterben derzeit pro Jahr rund 290.000 ältere Menschen, die zu Lebzeiten an einer Demenz erkrankt gewesen sind, wie Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft berichtet. Nach Angaben der WHO ist Demenz derzeit die siebthäufigste Todesursache weltweit und eine der Hauptursachen für Behinderungen und Pflegebedürftigkeit bei älteren Menschen. Die globalen Kosten werden für 2019 auf mehr als eine Billion US-Dollar geschätzt.

Doch auch jüngere Menschen können an Demenz erkranken - auch wenn das Risiko mit dem Alter stetig zunimmt. Generell spreche man bei Betroffenen unter 65 Jahren von Junger Demenz, es könnten aber auch bei 40-Jährigen Erkrankungen auftreten, oder noch früher, sagte Susanna Saxl-Reisen von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. „Ich weiß mindestens von einer jungen Frau, bei der es mit Anfang 20 angefangen hat oder von einem Mann, bei dem es mit Mitte 20 losging. Das ist aber extrem selten.“

„Demenz hat viele Ursachen, Alzheimer ist die häufigste“

Demnach ist im Alter zwischen 45 und 65 Jahren etwa jeder Tausendste betroffen. Nach Angaben der Alzheimer Gesellschaft entfallen auf diese Altersgruppe weniger als zwei Prozent aller Demenzerkrankungen. „Demenz und Alzheimer werden sehr häufig verwechselt“, sagt Prof. Oliver Peters, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin. Die kürzeste Erklärung laute: „Demenz hat viele Ursachen, Alzheimer ist die häufigste.“

Der schleichende Beginn der meisten Demenzerkrankungen ist die Ursache dafür, dass Einschränkungen und auffällige Verhaltensweisen der Betroffenen oft erst im Rückblick als erste Symptome einer Demenz erkannt werden. Dies ist besonders problematisch, da es sinnvoll ist, Demenzerkrankungen möglichst frühzeitig zu diagnostizieren.

Nicht jede Beeinträchtigung des Geistes ein Alarmsignal

Allerdings muss nicht jede Beeinträchtigung des geistigen Leistungsvermögens für sich genommen schon ein Alarmsignal sein, schreibt das Bundesministerium für Gesundheit. Antriebsschwäche kann sich jedoch bereits vor dem Auftreten der „Vergesslichkeit“ ausbilden: Hat jemand stets gern Sport getrieben und äußert jetzt wiederholt seine Unlust, zum wöchentlichen Trainingzu gehen, könnte dies bereits auf eine Demenzentwicklung hinweisen, wobei auch andere Erklärungen wie zum Beispiel eine depressive Störung in Betracht zu ziehen sind. Treten Gedächtnislücken regelmäßig auf und kommen weitere Merkmale wie Sprach- oder Orientierungsschwierigkeiten hinzu, sollte zur Abklärung dringend eine Ärztin oder ein Arzt zurate gezogen werden.

Typisches Merkmal der Erkrankung ist, dass sich ein Muster aus verschiedenen Symptomen zeigt – daher sprechen Mediziner auch von einem Krankheitssyndrom oder vom „dementiellen Syndrom“. Es kommt zu Beeinträchtigungen, die das Erinnern, das Denken, die Sprache und die Orientierung betreffen. Auch Veränderungen des Sozialverhaltens und der Persönlichkeit können Symptome einer Demenz sein.

Symptome: Demenz

Folgende Beschwerden und Merkmale können auf eine Demenzerkrankung hindeuten

  • Vergesslichkeit: Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse
  • Schwierigkeiten, gewohnte (alltägliche) Tätigkeiten auszuführen
  • Konzentrationsprobleme und Sprachstörungen
  • Änderung des Verhaltens und der Persönlichkeit: Nachlassendes Interesse an Arbeit, Hobbys und Kontakten
  • Ungekannte Stimmungsschwankungen: Andauernde Ängstlichkeit, Reizbarkeit und Misstrauen
  • Beeinträchtigung des Denkvermögens

    Orientierungsprobleme: Schwierigkeiten, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden
  • Fehlender Überblick über finanzielle Angelegenheiten
  • Fehleinschätzung von Gefahren
  • Hartnäckiges Abstreiten von Fehlern, Irrtümern oder Verwechslungen

Als weitere Symptome können zum Beispiel Schlafstörungen und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus, Appetit- und Essstörungen sowie Schluckstörungen und speziell im späten Stadium auch Inkontinenz auftreten. Typisch ist auch, dass Demenzpatienten ruhelos umhergehen (sogenanntes „Wandering“).

Später können manche Menschen mit Demenz ihre Gefühle kaum noch kontrollieren, plötzliche Stimmungsschwankungen, Aggressionen und Depressionen nehmen zu.

Spätstadium: Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt

Im Spätstadium sind Demenz-Patientinnen und -Patienten vollkommen auf Pflege und Betreuung durch andere Personen angewiesen. Familienmitglieder werden nicht mehr erkannt, eine Verständigung mit Worten ist unmöglich. Vermehrt treten körperliche Symptome wie Gehschwäche und Schluckstörungen auf. Die Kontrolle über Blase und Darm nimmt ab. Vereinzelt kann es auch zu epileptischen Anfällen kommen. Bettlägerigkeit erhöht die Gefahr von Infektionen. Die Erkrankten versterben häufig an Komplikationen, wie zum Beispiel einer Lungenentzündung.

Laut einer Gesundheitsstudie („Global Burden of Disease“-Studie), die in der Fachzeitschrift „The Lancet Public Health“ veröffentlicht wurde, könnten 2050 rund 153 Millionen Menschen mit Demenz leben - gegenüber 57 Millionen im Jahr 2019. Mit Blick auf die Auswirkungen von vier Demenz-Risikofaktoren- Rauchen, Fettleibigkeit, hoher Blutzucker und niedrige Bildung - prognostizieren die Studienautoren, dass ein verbesserter Zugang zu Bildung für sechs Millionen weniger Demenzfälle sorgen könnte. Dem stünden allerdings knapp sieben Millionen mehr Fälle gegenüber, die mit den prognostizierten Raten für Fettleibigkeit, hohen Blutzucker und Rauchen zusammenhingen.

Demenz: Risikofaktoren

  • Höheres Lebensalter
    Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz ist das Alter. In der zweiten Lebenshälfte steigt das Demenz-Risiko stark an: In der Gruppe der 65- bis 69-Jährigen sind noch weniger als zwei Prozent betroffen, während bei den über 90-Jährigen schon 35 Prozent an Demenz leiden.
  • Weibliches Geschlecht
    Über zwei Drittel aller Demenzkranken sind Frauen. Dies ist offenbar auf die längere Lebenserwartung von Frauen und hormonelle Faktoren zurückzuführen.
  • Erbanlagen
    Auch genetische Faktoren können die Entwicklung einer Demenz begünstigen. Sind Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) betroffen, vervierfacht sich das Erkrankungsrisiko. Zusätzlich gibt es seltenere, erbliche Formen der Alzheimer-Krankheit, die dazu führen, dass die Alzheimer-Demenz schon im Alter zwischen 30 und 60 Jahren auftritt und rasch fortschreitet.
  • Geringe geistige Aktivität und wenig Sozialkontakte
    Menschen mit leichten kognitiven (das Denken betreffende) Störungen und solche, die kaum Sozialkontakte pflegen, habe ein erhöhtes Demenz-Risiko.
  • Schädel-Hirn-Verletzungen
    Kopfverletzungen mit Hirn-Beteiligung sind als Risikofaktor für Demenz bekannt. Studien zufolge kommt es bei Betroffenen zu einer vermehrten Ablagerung bestimmter Proteine (Amyloidablagerungen), die auch als wichtiges Kennzeichen der Alzheimer-Erkrankung gelten.
  • Neurologische Erkrankungen
    Erkrankungen des Nervensystems wie zum Beispiel ein Schlaganfall, die Parkinson-Krankheit oder Chorea Huntington (erbliche Gehirnerkrankung) können das Demenz-Risiko erhöhen.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
    Zu viel Alkohol kann nicht nur zu leichten Erinnerungsstörungen führen, sondern auch die Entwicklung einer Demenz begünstigen.
  • Vaskuläre (gefäßbezogene) Risikofaktoren und Erkrankungen
    Alle Faktoren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, steigern zusätzlich auch das Demenz-Risiko. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, starkes Übergewicht und Rauchen.

mz

Rubriklistenbild: © pixabay

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