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Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid: Ein umweltverträgliches Biest

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Stärker als ein Lamborghini Urus, mächtiger als ein Bentley Bentayga Speed: der Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid.

Mit dem Cayenne Turbo S E-Hybrid bringt Porsche einen bärenstarken und umweltverträglichen SUV auf den Markt. Wir durften die 680 PS auf vier Rädern schon mal bewegen.

Erfolgsmodell Hybrid: Schon beim Panamera haben die Porsche-Verkäufer gemerkt: Da geht was. Und zwar jede Menge. 67 Prozent der ausgelieferten Modelle im Jahr 2018 waren Hybrid-Fahrzeuge. Umweltbewusst fahren ist ja mittlerweile schick. Passt zu den Wahlergebnissen. Habeck, Baerbock & Co haben holen ja gerade mit Klimathemen ein Prozentpunkt nach dem anderen bei den Umfragen.

Der Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid ist eine Urgewalt

Bei den Hybrid-Antrieben aus Zuffenhausen geht es allerdings nicht nur um Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit, sondern auch um den sportlichen Auftritt. Und der ist mit der Kraft der zwei Herzen garantiert. Vor allem beim Top-Modell, dem Turbo S E-Hybrid. Schon beim Panamera im Einsatz, kommt diese Motorisierung nun auch in den großen Porsche-SUV.

"Der stärkste Cayenne aller Zeiten", so lautet die Werbebotschaft aus Zuffenhausen. Klingt zwar dick aufgetragen, ist es aber nicht. Der Cayenne Turbo S E-Hybrid ist sowohl als normaler Viertürer als auch als Coupé eine echte Urgewalt. Mit den Genen des 918 Spyder ausgestattet ziehen die beiden Triebwerke das Auto in 3,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 (von 0 auf 200 sind es 13,2 Sekunden). Und zwar unter Einsatz des maximalen Drehmoments von 900 Nm. Dabei geht es trotz der Monster-Power jederzeit kultiviert zu. Bei den Testfahrten stellen wir fest: Zwar fühlt sich die Beschleunigung wirklich gut an, allerdings muss man nicht zwangsweise andauernd auf dem Gaspedal stehen. Das Wissen, dass man jederzeit kann, ist fast wichtiger.

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Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid: 680 PS Gesamtleistung

Nun aber zu den beiden Motoren. Unter der Fronthaube entdeckt man zunächst nichts Neues. Hier sitzt der Verbrenner: Ein vier Liter großer V8-Biturbo mit satten 550 PS. Der wäre allein schon eine Macht. Sein maximales Drehmoment von 770 Nm lebt er zwischen 2.100 und 4.500 U/min aus. Zwischen dem Achtzylinder und dem Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe steckt der Elektromotor. 136 Zusatz-PS steuert er bei und steigert die Systemleistung damit auf satte 680 PS.

An Platz mangelt es im Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid auf jeden Fall nicht.

Entscheidend ist jedoch das Zusammenspiel der beiden Aggregate. Denn dort, wo der Verbrenner schwach ist, nämlich in den unteren Drehzahlbereichen, liefert die E-Maschine zu. Quasi ab dem ersten Druck aufs Gaspedal stehen damit schon mal 400 Nm Drehmoment zur Verfügung. Bis 2.300 U/min – und ab 2.100 U/min feuert der Verbrenner ja schon seine 770 Nm in den Ring.

Boost-Strategie nennt man das bei Porsche. Sogenannte Booster werden ja üblicherweise in der Raumfahrt eingesetzt. Es sind zusätzliche Raketen, die beim Start helfen, danach werden sie abgeworfen. Das ist dann der Unterschied zur Automobilindustrie. Der Booster bleibt an Bord.

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Nur vier Liter soll der Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid brauchen

Der Elektroturbo von Porsche bringt jedoch nicht nur mehr Power, sondern soll auch die Energieeffizienz verbessern. Mit unter vier Litern Superbenzin und knapp unter 20 kWh pro 100 Kilometer soll das Triebwerk wirklich erstaunlich zurückhaltend sein. Das wären je nach aktuellem Super-Benzin-Preis Betriebskosten von knapp elf Euro auf 100 Kilometer.

Rein elektrisch schafft der Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid bis zu 40 Kilometer.

Angesichts der Performance, die der Cayenne Turbo S E-Hybrid bietet, ein Schnäppchen. Bei der Energieeffizienz bekommt er A+ und damit die beste Klasse. Auch bei den umweltrelevanten Werten unterbietet der Hybrid-SUV die 100 g/km-Marke mit 90 bis 85 Gramm.

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Großer Unterschied zwischen theoretischen und praktischen Verbrauchswerten

Papier ist bekanntermaßen geduldig und bei Verbrauchswerten sogar besonders geduldig. Die Realität ist auch trotz des verbesserten WLTP-Verfahrens immer noch eine andere. Es mag sein, dass es uns bei den Testfahrten besonders im Gasfuß gejuckt hat, aber die vier Liter Verbrauch haben wir nicht ansatzweise erreicht, wir lagen im sehr hohen gerade noch einstelligen Bereich.

"Vollgetankt" mit Strom fährt der Hybrid-Cayenne übrigens bis zu 40 Kilometer und schafft dabei Geschwindigkeiten bis zu 135 Stundenkilometer. Gemeinsam ist man stärker, dann geht es bis zu Tempo 295. Die Lithium-Ionen-Batterie packt weitere 130 Kilogramm in den 2,5 Tonner. Geladen ist sie in sechs Stunden, wenn man an einer herkömmlichen Steckdose hängt. Mit einem Schnelllader geht es auch in 2,4 Stunden.

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Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid: Ein Modus für jede Fahrweise

Wie man mit dem schwäbischen Plug-In-Hybriden (PHEV) unterwegs ist, kann man getrost dem System überlassen. Wer jederzeit effizient fahren will, bleibt bei "Hybrid Auto". Dann regelt der Computer, wann welcher Antrieb eingesetzt wird. Rein elektrisch lässt es sich in der Stellung "E-Power" fahren. Was sich vielleicht empfiehlt, wenn man sich am frühen Morgen leise vom Hof machen will, ohne die Nachbarn zu stören.

Mit "E-Hold" lässt sich die zur Verfügung stehende Batteriekraft aufsparen, zum Beispiel, wenn man weiß, dass man später in eine Umweltzone fährt. Und wer schon zu viel Elektrizität verbraucht hat, der kann mit "E-Charge" die leeren Zellen sogar wieder auffüllen. Wenn es um pure Power geht, dann empfiehlt sich "Sport" oder "Sport Plus". Hier wird die Batterie jederzeit so aufgeladen und eingesetzt, dass der Fahrer die maximale Performance hat.

Serienmäßig kommt der Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid mit einer Luftfederung.

Bequem unterwegs im Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid

Das Fahrwerk eines Cayenne Turbo S E-Hybrid kann standesgemäß und serienmäßig natürlich nur eine Luftfederung sein. In fünf verschiedenen Stufen variiert die Bodenfreiheit zwischen 245 und 162 Millimetern. Schließlich ist der Cayenne immer noch ein SUV und sogar ein geländetauglicher.

Ebenfalls dem Fahrkomfort zugutekommt die sogenannte Wank-Stabilisierung. Ganz im Wortsinn soll so das Wanken der hoch aufragenden Karosserie in den Kurven vermieden werden. Dabei wird die Steifigkeit der Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse innerhalb von wenigen Millisekunden so verändert, dass keine Seitenneigung mehr auftritt. Immerhin bis zu einer Querbeschleunigung von 0,8 g funktioniert dieses System.

Wer noch mehr Komfort haben will, sollte sich die Hinterachslenkung zulegen, damit ist der Porsche in den Kurven noch agiler. Allerdings ist das eine aufpreispflichtige Ausstattung (rund 2.000 Euro).

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So viel kostet der Porsche Cayenne Turbo S E-Hybrid

Insgesamt ist der Preis des Cayenne Turbo S E-Hybrid schon eher heiß. Ab 172.000 Euro gibt es das normale Modell, das Coupé kostet noch mal knapp 4.000 Euro mehr. Man muss gar nicht verschwenderisch sein beim Konfigurieren, schon kreuzt man die 200.000er Marke. Das dürfte die Kundschaft freilich nicht interessieren. Denn ab sofort kann der erfolgreiche Unternehmenslenker auch wieder guten Gewissens einen SUV steuern.

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Rudolf Bögel

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