Aus dem Verkehr gezogen

„Tickende Rostbombe“: Polizei ist fassungslos über Transporter mit faustgroßen Löchern

Ein völlig verrosteter Türgriff
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Der völlig verrostete Türgriff des gestoppten Transporters
  • Nicolai Hackbart
    vonNicolai Hackbart
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Laufend werden in Deutschland unsichere Autos aus dem Verkehr gezogen. Neue Fotos der Polizei zeigen, wie weit es manche Fahrer treiben.

  • Dass technische Mängel an Autos zu gefährlichen Unfällen führen, beweist die Statistik.
  • Dennoch fischt die Polizei immer wieder gefährliche Fahrzeuge aus dem Verkehr.
  • In diesem Fall konnten die Beamten gerade noch Schlimmeres verhindern.

Lüdenscheid - Kleine Rostflecken oder ein paar Tropfen Motoröl unter dem eigenen Auto deuten häufig an, dass das Fahrzeug langsam wieder einmal zur Untersuchung in die Werkstatt* sollte. Gerne vergisst man solche Kleinigkeiten im Alltagsstress und wenn man Pech hat, macht einen irgendwann einmal die Polizei darauf aufmerksam, dass das Auto nicht mehr im besten Zustand ist. Was die Beamten der Polizeibehörde Märkischer Kreis am 28. August aus dem Verkehr gezogen haben, muss jedoch auch die routiniertesten Polizisten aus der Fassung gebracht haben, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht.

Polizei stoppt Kleintransporter: Faustgroße Rostlöcher und brandgefährliches Öl-Leck

Die Polizeibeamten kontrollierten einen Kleintransporter in Lüdenscheid. Der Mercedes Sprinter mit MK-Kennzeichen war im Stadtgebiet unterwegs, um Altkleidung zu sammeln. Ein versierter Blick der Beamten richtete sich direkt auf das völlig durchrostete Blechkleid des Kleintransporters.

Hier waren neben abgerosteten Türgriffen und zerfledderten Kotflügeln auch faustgroße Rostlöcher in den Radhäusern festzustellen. Aus dem Fahrzeuginneren konnte man ungehindert auf die Fahrbahn sehen. Das war Anlass genug, das Auto von einem Sachverständigen unter die Lupe nehmen zu lassen. Die Begutachtung des Kleintransporters ergab eine konkrete Gefährdung des Straßenverkehrs und somit eine Verkehrsunsicherheit. Insbesondere war die Zahnstange der Lenkung so stark verrostet, dass der Schaden zu einem Blockieren hätte führen können.

Besonders gefährlich war auch, dass permanent Motoröl auf den heißen Krümmer tropfte. Der Sachverständige prognostizierte einen Motorbrand, der unmittelbar bevorstand. Die Polizeibeamten stellten deshalb die Kennzeichen und den Fahrzeugschein sicher und zogen den Kleintransporter aus dem Verkehr.

Der Motorraum ist vollgetropft mit Öl.

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Auto aus dem Verkehr gezogen: Hohes Bußgeld, doch leider kein Einzelfall

Den Fahrer des Kleintransporters erwartet jetzt ein Bußgeld in Höhe von 210 Euro. Auch der angemeldete Halter wird mit über 300 Euro bestraft. Für beide wird es außerdem jeweils einen Punkt in Flensburg geben.

Warum die Polizeibeamten bei solchen Autos keine Gnade kennen, zeigt ein Blick in die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes. Noch immer gibt es zahlreiche Verkehrsunfälle mit Personenschaden, die auf technische Mängel am Fahrzeug zurückzuführen sind. Im Jahr 2019 waren es deutschlandweit 3.608 Unfälle. Die meisten dieser Unfälle (1.038) lassen sich auf mangelhafte Bereifung zurückführen, doch auch schlechte Bremsen oder eine defekte Lenkung haben schon zu Verletzten oder Verkehrstoten geführt.

Technische Mängel der Fahrzeuge2016201720182019
Insgesamt3.5863.5283.6873.687
davon Beleuchtung577609565544
davon Bereifung1.0371.1661.0581.038
davon Bremsen723586658688
davon Lenkung151153158193
davon Zugvorrichtung55716960

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand 14. Juli 2020

Selbst für die Polizeibehörde Märkischer Kreis sind solche verkehrsunsicheren Fahrzeuge kein Einzelfall. Nur einen Tag früher zogen die Beamten einen LKW mit defekten Bremsen aus dem Verkehr. Eine Woche zuvor haben die Beamten einen Transporter mit gefälschter Prüfplakette und ebenfalls defekten Bremsen sowie einen PKW mit verformter Radachse und im Radkasten schleifenden Reifen sichergestellt. (nh) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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