Auto im Test

Schnell, robust und bissig: So fährt sich der neue Ford Ranger Raptor

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Wie macht man Unvernunft ein bisschen vernünftiger? Ford zeigt das mit Ranger Raptor. Auf der Straße Limousine, im Gelände Raubtier. Wir durften den Pick-up testen.

Schon der Name klingt markig. Raptor, das erinnert an die kleinen fiesen Dinosaurier im Hollywood-Schinken "Jurassic Park". Schnell, wendig, robust und mit messerscharfen Krallen ausgestattet. Und damit sind auch schon einige Kerneigenschaften des Ford Ranger Raptors genannt. Doch dazu später.

Zumindest von den Außenmaßen und dem kernigen Auftritt her, kommt der Raptor seinem amerikanischen Bruder, dem F-150 schon ziemlich nahe. Der mächtige Kühlergrill mit dem fetten schwarz-matt lackierten Ford-Schriftzug weckt ganz klar Erinnerungen an "Americas most wanted".

Allein mit der F-Serie verkauft der Autokonzern dort nämlich Jahr für Jahr schon fast eine Million Exemplare. Auch dank des Rangers, der in den Staaten allerdings nur unter den Begriff "midsize", also mittelgroß, fällt. In Europa setzte man im ersten Halbjahr 26.000 Rangers ab, Tendenz zweistellig steigend.

Ein Parkplatz für den Raptor ist nicht schnell gefunden

Und jetzt soll auch noch das Spitzenmodell, der Raptor, den Verkauf anheizen. Im Gegensatz zum normalen Ranger hat der Posing-Truck in Breite, Höhe und Länge zugelegt. In Zahlen: 16,8 Zentimeter breiter, 5,2 Zentimeter höher und 4,4 Zentimeter länger. Viel Spaß beim Parkplatzsuchen, eine Lücke mit sechs Metern sollte es bei der Fahrzeuglänge von 5,40 Metern dann schon sein.

Unterstrichen wird der mächtige Raptor-Auftritt noch durch die ausgestellten Radhäuser, die breiten Lochblech-Trittbretter und die graue Lackierung mit den dicken Raptor-Schriftzügen an den Flanken. Sieht irgendwie nach Tarnfarbe und Militär aus, aber vielleicht wollen das die Kunden so.

Ebenfalls interessant: Fund des Jahres? Seltener Oldtimer in deutscher Scheune entdeckt.

Der Raptor ist innen eher Limousine als Arbeitstier

Außen hui! Innen kühl und nüchtern. Wenn man am Steuer sitzt, erinnert der Raptor, den es nur in einer Ausführung, nämlich mit viersitziger Kabine, gibt, mehr an eine Limousine als an ein Arbeitstier. Hier und da mehr oder minder feines Kunstleder, dort ein wenig Hartplastik, aber optisch noch verträglich. Das Cockpit wirkt angenehm aufgeräumt - mit dem in der Mitte des Armaturenbretts integrierten Touch-Screen. Modern, aber nicht luxuriös.

Modern - oder sagen wir mal - zeitgemäß soll der Antrieb sein. Kein kerniger V-8-Zylinder mit Blubber-Sound, sondern ein 2,0-Liter-Biturbo-Diesel treiben den klobigen Dino mit seinen 2,6 Tonnen Gewicht an. 213 PS bringt er dabei mit einer Zehn-Gang-Automatik-Getriebe auf die Straße. Bärenstark ist das Drehmoment von 500 Nm, das sich im Drehzahlbereich von 1750 bis 2000 U/min aufbaut. Damit schiebt der Raptor gewaltig nach vorne, auch Überholvorgänge auf der Landstraße packt er locker. Und das Gute ist: Der Diesel (Euro-Norm 6c-EVAP) säuft nicht. Mit 8,9 Litern nach WLTP-Messverfahren wird es zwar nicht getan sein, aber vielleicht ein Liter mehr, dann ist man schon ziemlich nahe an der Wahrheit. Und das ist für so ein tonnenschweres und trotzdem agiles Gerät ein sehr ordentlicher Wert.

Lesen Sie auch: Staub zu Staub: Diese Kuriosität wurde in der Saudischen Wüste ausgegraben.

Der Raptor rollt sanft über die Straße, hat aber Grip in den Kurven

Schnell ist er - und wendig! Wie sein Namensvetter, der Dino aus Jurassic Park. So gut wie ein ausgewachsener Dinosaurier, also ein Achtzylinder, hingegen klingt dieser Diesel nicht. Aber nach Stimmbruch hört er sich auch wieder nicht an. Würde er zwar in Wirklichkeit, aber da hat man technisch ein wenig nachgeholfen mit künstlichen Soundeinspielungen in die Doppelkabine.

Gefedert ist der Raptor ebenfalls gut. Kein Wunder: Die elektronisch gesteuerten Stoßdämpfer, die aus dem Motorsport kommen, sind ziemliche Alleskönner. Auf der Straße sorgen sie für ein komfortables aber sportlich-straffes Gefühl, im Gelände bügeln sie fast alle Unebenheiten weg. Einen guten Anteil daran haben auch die All-Terrain-Reifen, die mit BF Goodrich entwickelt wurden und die ebenfalls diesen Spagat hinkriegen. Sanft auf den Straßen rollen, Grip in den Kurven einsammeln und im Gelände über alles drüberwalzen, was das Fortkommen gefährdet. Auch die Reifengröße passt zum monströsen Auftritt des Pick-ups: Es sind stattliche 285er auf 17-Zoll-Felgen.

Ebenfalls interessant: Vom Aussterben bedroht: Diese Autoklasse wird es nicht mehr lange geben.

Für feuchte Furten ausgerüstet - für 66.771 Euro

Mit dem obligatorischen Sperrdifferential an der Hinterachse, einer Bodenfreiheit von 28,3 Zentimetern und einer Wattiefe von 85 Zentimetern für feuchte Furten ist der Raptor für alle Eventualitäten im Gelände gut gerüstet. Bei unserer Fahrt durch die Wälder des Bergischen Landes jedenfalls fühlen wir uns nicht unbedingt herausgefordert. Fast wie im Schlaf kann man diesen Truck über tiefe Verschränkungen führen, den Berg-Assistenten die Abfahrt managen lassen oder locker und leicht über Baumstämme klettern. So als ob der Auto-Raptor solche Krallen hat wie sein Namensgeber der Jurassic-Dino.

Schnell, wendig, robust und mit scharfen Krallen. Das ist der Ford Ranger Raptor. Wer das alles haben will, dem muss sein Auto lieb und teuer sein. Denn mit einem Grundpreis 66.771 Euro zielt man eher auf das Hochpreis-Segment. Wenn man sich jedoch die Stundensätze für Handwerker so ansieht, die aufgrund des Baubooms teilweise aufgerufen werden, dann kann schon sein, dass Maler und Klempner künftig mit einem Ford Raptor bei Ihnen vor der Tür stehen.

Lesen Sie auch: Auto im Test: Der neue Ford Focus ST - Kultivierter Kraftprotz für kleines Geld.

Rudolf Bögel

James Bond oder Batman? Das sind die besten Filmautos aller Zeiten

Zurück zur Übersicht: Auto

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Kommentare