MONA FREIBERG UND BERND HELFRICH ÜBER IHREN AUFTRITT IN MÜNCHENS KOMÖDIE UND AUSWÜCHSE IM HEUTIGEN FERNSEHEN

„Wir können einfach nicht absagen“

Das echte Paar Mona Freiberg und Bernd Helfrich spielt in „Landeier“ das Pärchen Gertrud Niedermaier und Heinz Mattic. Foto: Alvise Predieri

Interview vor der Theaterpremiere . Ende Juni wurde bekannt, das der Bayerische Rundfunk die langjährige Zusammenarbeit mit dem Chiemgauer Volkstheater zum Jahreswechsel beenden wird.

Für Fans des Theaters und alle Freunde dieser Form der TV-Unterhaltung war die Meldung eine böse Überraschung. Jetzt sind die Galionsfiguren des Chiemgauer Volkstheaters, Bernd Helfrich und seine Frau Mona Freiberg, in einer neuen Produktion der Komödie im Bayerischen Hof zu sehen. Am Mittwoch hat das Stück „Landeier – Bauern suchen Frauen“ von Frederik Holtkamp Premiere. Von Wut und Enttäuschung ist bei den beiden allerdings gar nicht viel zu spüren. Stattdessen viel Energie, Tatendrang und Lust auf Neues.

-Sind Sie noch wütend auf den BR?

Helfrich: Nein, wütend waren wir nie. Na ja, nicht lange zumindest. Wir waren einfach nur enttäuscht über die Art und Weise, wie man uns nach 25 Jahren Zusammenarbeit so sang- und klanglos abserviert hat. Aber die Wertschätzung, die wir für unsere Arbeit früher vom Sender erfahren haben, die fehlte schon in den vergangenen fünf Jahren. Es war irgendwann einfach keine Basis mehr vorhanden.

-Was war passiert?

Freiberg: Ich glaube, das ist einfach der Zahn der Zeit. Alles ändert sich. Die Menschlichkeit innerhalb großer Firmen und Produktionsstätten hat sich verabschiedet. Es geht überall nur noch um den Profit und die Fragen „Wer ist besser?“, „Wer ist zu alt?“, „Wen kann ich austauschen, um bessere Zahlen zu erreichen?“ Die Wertschätzung für vieles, was da nicht genau hinein passt, die fehlt heute.

-Offiziell fiel das Chiemgauer Volkstheater nicht dem Diktat der Jugend zum Opfer, sondern dem allgemeinen Sparzwang.

Freiberg: Stimmt. Dagegen kann nämlich niemand etwas sagen. Das ist ja lange bekannt. Die Aussage, dass sich für diese Art von Volkstheater nur Leute über 70 Jahre begeistern, die halte ich ohnehin für eine Mär. Wir haben auch sichtbar Jüngere im Publikum. Viele kommen zum ersten Mal mit ihren Eltern oder Großeltern zu uns. Aber einige bleiben uns danach treu. Da sind längst neue Traditionen entstanden.

Helfrich: Das sind, glaube ich, alles nur Ausreden. Mir scheint  es  vielmehr  so,  als ob man beim BR gewaltig etwas verändern will und muss, aber keinen rechten Plan dazu hat.

-Frische und moderne Stücke haben Sie auch im Repertoire?

Helfrich: Natürlich. Die letzten Produktionen von uns, etwa das Silvesterstück mit Hugo Egon Balder – aktueller geht’s nicht!

-Schade, dass der BR die kommenden Jahre nur Ihre alten Stücke wiederholen kann.

Helfrich: Wiederholungen bestimmen ja derzeit das Programm des BR, da passt das doch gut. (Lacht.)

-Ihre Aufführungen sind unter Jüngeren längst Kult. Schon mal über eine Online-Auswertung der Inszenierungen nachgedacht?

Helfrich: Im Moment haben wir eigentlich noch an gar nichts gedacht. Nur dass wir unsere Tourneen forcieren und wieder mehr spielen wie jetzt an der Komödie im Bayerischen Hof. Ansonsten waren die letzten 25 Jahre für uns enorm arbeitsintensiv, besonders für meine Frau, die zum Stückelesen und Verträge-Abschließen noch den gesamten Bürokram schmeißt.

Freiberg: Wir fühlen uns schon ein wenig entlastet.

Helfrich: Für unsere Schauspieler tut es uns natürlich furchtbar leid. Denen sagen zu müssen, nun ist es leider vorbei, das hat uns am meisten weh getan. Aber wir haben uns schon auf etwas mehr Zeit gefreut, um mal Urlaub zu machen.

-Und jetzt sitzen Sie hier schon wieder auf einer Probebühne herum. Können Sie keine Ruhe geben und einfach mal den Sonnenuntergang genießen?

Helfrich: Doch, das kann ich schon. Aber ich kann nicht absagen. Thomas Pekny von der Komödie schlug uns die Zusammenarbeit vor. Und wir sind mit den besten Absichten nach München zu dem Gespräch gefahren, das Projekt abzusagen. Aber dann stand er vor uns und sah uns mit seinen blauen Augen an – und da kann man einfach nicht mehr „Nein“ sagen. (Beide lachen.)

-Sie müssen sich mit Ihrem Ruf keine Gedanken mehr um künftige Engagements machen, oder?

Helfrich: Nein, vielleicht nicht. Aber wir haben eine Verpflichtung unserem Theater gegenüber. Das muss ja weitergehen. Wir haben das von unserer Mutter übernommen, und unsere Tochter ist nun auch schon mit dabei.

Freiberg: Als Freiberufler weiß man eben im Frühjahr nicht, wo im Herbst das Geld herkommt. Man muss lernen, damit zu leben. Auch wenn es mir heute so scheint, als ob früher alle regelmäßiger beschäftigt waren als heute, obwohl es doch viel mehr Fernsehsender gibt.

Helfrich: In den ganzen Soaps und Shows braucht man halt heute oft keine Schauspieler mehr. Freiberg: Dazu   kommen dann diese Voyeur-Geschichten, bei denen man zusieht, wie der Bauer eine Frau sucht oder wie Menschen in ihren Wohnungen hausen oder auswandern.

-Das erinnert stark an den Titel Ihres neuen Stücks „Landeier – Bauern suchen Frauen“.

Helfrich: Der Titel ist vielleicht etwas irreführend. Bei dem Stück handelt es sich um eine wunderbare, wirklich witzige Komödie, in der drei Ostfriesen auf Brautschau sind. Mit dem primitiven Fernsehformat hat das absolut nichts zu tun.

Freiberg: Die Komödie „Landeier“ von Frederik Holtkamp ist nicht nur eine vermeintliche Realität, bei der man bedauernswerten Menschen Worte in den Mund legt, sondern ein professionell geschriebenes Drama, in dem zwei Welten aufeinanderprallen: nämlich die bayerische und die ostfriesische. Und das ist ganz herrlich anzusehen, schon der Sprachmelodien wegen.

Das Gespräch führte Ulrike Frick.

Aufführungen

12. September bis 28. Oktober; Karten 089/ 29 16 16 33.

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