„TATORT“-KRITIK

„Tatort“-Kritik K.I.T.T., der selbstfahrende Flitzer aus der Actionserie „Knight Rider“ würde sich in der Schrottpresse umdrehen.

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Schöne neue Welt? Kommissar Stellbrink (Devid Striesow) ermittelt im digitalen Daten-Dschungel. Foto: SR/Meyer

K.I.T.T., der selbstfahrende Flitzer aus der Actionserie „Knight Rider“ würde sich in der Schrottpresse umdrehen.

Was ist aus den guten alten Autos mit Herz geworden? Denen, die ihren Besitzern in der Not mit einem gezielten Reifenkick aus der Patsche helfen?

Im Saarbrücker Neujahrs-„Tatort“ sind sie Geschichte. Da wird der Wagen zur Waffe, die computergesteuerte Hightech-Karre kutschiert ihren wehrlosen Fahrer direkt in den Tod. Es ist der siebte und vorletzte Auftritt für Kommissar Jens Stellbrink (gespielt von Devid Striesow), der lange als skurriler Polizist in Gummistiefeln durch hanebüchene Fälle stolpern musste.

In „Mord Ex Machina“ ermittelt er gegen eine Maschine und kommt dabei erstaunlich erwachsen daher. Die Geschichte um Datenmissbrauch, Manipulation und Gier sticht aus der Reihe missglückter Krimis positiv hervor. Vielleicht weil sie nicht nur die üblichen Machtspiele thematisiert, sondern zeigt, dass die Spuren, die wir im Netz hinterlassen, uns verwund- und erpressbar machen. Das bekommt Stellbrink am eigenen Leib zu spüren, als er sich auf ein Spielchen mit der verdächtigen Hackerin Natascha Tretschok (überzeugend: Julia Koschitz) einlässt. Mit seinen Schauspielkollegen Koschitz und Steve Windolf, der im Film als skrupelloser Datensammler Victor Rousseau zu sehen ist, hat Devid Striesow endlich einmal würdige Gegenspieler in einem „Tatort“ gefunden.

Regisseur Christian Theede setzt den beklemmenden Fall nach einem Drehbuch von Hendrik Hölzemann optisch ansprechend um und sorgt dafür, dass man fast schon ein wenig wehmütig werden könnte, wenn man an Striesows Abschied denkt. Astrid Kistner

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