JUGENDKONZERT DER PHILHARMONIKER MIT AIMARD UND GERGIEV

Mal filigran, mal effektvoll

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Pianist Pierre-Laurent Aimard (re.) gab dem Publikum und Andreas Korn Einblicke in Ravels Werk. Foto: Florian E. Schwarz
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Pianist Pierre-Laurent Aimard (re.) gab dem Publikum und Andreas Korn Einblicke in Ravels Werk. Foto: Florian E. Schwarz

Von Tobias Hell. Auftrittsapplaus und ein Handschlag für den Konzertmeister.

So weit, so gut und alles beim Alten. Doch mit der Routine war es dann auch schon wieder vorbei. Denn der Mann, der hier im Gasteig in Startposition ging, war keineswegs Valery Gergiev, sondern Ex-„logo“-Moderator Andreas Korn. Ihn hatten die Münchner Philharmoniker für ihr aktuelles Jugendkonzert verpflichtet, um das informative „Warm-up“ für den Nachwuchs zu übernehmen. Ob es dazu die projizierten Wikimedia-Bilder wirklich gebraucht hätte, sei dahingestellt. Die dürfte sich die Zielgruppe eh schon selbst aufs Smartphone geholt haben. Mit der mehr oder weniger spontanen Walzereinlage, die Korn mit Cellistin Elke Funk-Hoever aufs Parkett legte, fing es aber zum Glück etwas zu menscheln an, ehe Valery Gergiev den Taktstock zu Maurice Ravels „La Valse“ heben durfte.

Wobei sich die auf Effekt getrimmte Lesart weniger als nostalgische Strauß-Hommage präsentierte, sondern den Blick klar auf die zukunftsweisenden Momente der Partitur richtete. Hier fand sich auch die Schnittmenge mit Solist Pierre-Laurent Aimard, der es sich vor seiner fesselnden Wiedergabe des Ravel-Klavierkonzerts in G-Dur nicht nehmen ließ, ebenfalls ein paar kurze persönliche Einblicke in das Werk zu geben. Und sein Versprechen, „ein Stück für alle Orchestermitglieder“, wusste der Franzose dabei mit einer nie in den Vordergrund drängenden Interpretation rundum einzulösen, die neben technischer Virtuosität vor allem durch den filigranen in sich gekehrten zweiten Satz beeindruckte.

Deutlich geerdeter und in der Realität verwurzelt dagegen Schuberts „Tragische“, mit der Gergiev einem pastosen spätromantischen Ideal folgte. Eine Interpretation, die ihre stärksten Momente immer dann hatte, wenn der Maestro in düsteren Klangfarben baden durfte, im oft zu gehetzt wirkenden Finalsatz jedoch an Spannung einbüßte.

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